Kaninchen liegt auf der Seite: Grund zur Panik?

Wenn ein Kaninchen auf der Seite liegt, kann das für absolute Entspannung und Sicherheit stehen.

Allerdings können sich dahinter auch gesundheitliche Probleme oder sogar lebensgefährliche Zustände verbergen.

Wie du den Unterschied erkennst und im Notfall richtig und sicher handelst, erfährst du jetzt.

Mögliche Liegepositionen bei Kaninchen

Wenn Kaninchen schlafen oder sich entspannen, kommen dabei verschiedene Liegepositionen infrage. Beliebt ist etwa die Bauchlage.

Möglich ist jedoch ebenso, dass sich dein Kaninchen auf die Brust legt und die Hinterbeine seitlich ablegt. Der Oberkörper kann dabei halb aufgerichtet sein oder der Kopf wird auf den Vorderpfoten abgelegt.

Eine vollständige Seitenlage ist auch möglich.

Das Tier legt oder wirft sich dabei der Länge nach auf eine Seite und streckt alle Gliedmaßen von sich.

Manche Kaninchen wälzen sich dabei genüsslich auf dem Untergrund oder scharren sich zuvor ein „Bett“ zurecht. Ein kurzes Rollen auf dem Rücken und Präsentieren des Bauchs gehören bei sehr zahmen und zutraulichen Tieren ebenfalls dazu.

All diese Positionen sprechen für einen entspannten Zustand.

Das Kaninchen fühlt sich sicher und wohl. Die Ohren werden locker gehalten und er gesamte Körper ist weich. Nicht selten schlafen die Tiere dabei ein oder dösen vor sich hin.

Wichtig ist, dass du in diesen Situationen nicht störst. Vermeide laute Geräusche und hektische Bewegungen. Zudem kannst du dich darüber freuen, dass du eine gute Bindung zu deinem Kaninchen hast. Denn dieses Verhalten wird in der Gegenwart von Menschen nur dann gezeigt, wenn sie ein hohes Maß an Sicherheit empfinden.

Schonhaltung: Kaninchen liegt auf der Seite bei Schmerzen

Eine weitere Möglichkeit für eine Seitenlage bei Kaninchen ist, dass sie eine Gliedmaße schonen.

Bei einem Sturz oder einem unkoordinierten Sprung kann es zu verschiedenen Verletzungen kommen. Möglich sind:

  • Bänderrisse
  • Brüche
  • gesprungene Gelenkkapseln
  • Prellungen
  • Zerrungen

Diese fallen nicht immer sofort auf. Die Schmerzintensität kann nach dem Vorfall erheblich zunehmen.

Eine tierärztliche Versorgung ist sofort erforderlich. Nur so lassen sich Fehlstellungen und falsches Zusammenwachsen vermeiden.

Auffällig ist in diesen Fällen, dass dein Kaninchen sich weiterhin bewegt, dabei aber eine Pfote oder eine Seite deutlich schont. Es kann humpeln oder bei Berührungen ausweichen beziehungsweise schreckhaft oder aggressiv reagieren.

Eine Behandlung mit Schmerzmitteln sowie gegebenenfalls das Ruhigstellen der betroffenen Gliedmaße sind ebenfalls notwendig.

Falls es sich um eine schwerere Verletzung handelt, musst du dein Tier eventuell vorerst von den anderen Kaninchen separieren. Um die Heilung zu begünstigen und eine volle Bewegungsfreiheit zu erzielen, kann auch eine Physiotherapie sinnvoll sein.

Seitenlage bei Blähungen und Schmerzen

Kaninchen haben eine empfindliche Verdauung.

Bereits kleinere Mengen verdorbenen, ungeeigneten und stark blähenden Futters können daher zu Störungen führen.

Eine häufige Folge ist die sogenannte Aufgasung.

Da Kaninchen nicht rülpsen können, bildet oder sammelt sich sehr viel Gas in Magen und Darm an. Ein Teil davon wird über die Darmwand im Blut aufgenommen und ausgeatmet.

Der Rest kann jedoch erst beim Absatz von Kot mit entweichen. Bis dahin erzeugen die Blähungen Schmerzen und sogar Krämpfe.

Der Bauch ist hart und aufgedunsen.

Weitere mögliche Einschränkungen durch Störungen im Verdauungstrakt sind Durchfall und Verstopfungen bis hin zu einem Darmverschluss. Auch diese können mit Schmerzen, Krämpfen und Blähungen einhergehen.

Die Seitenlage wirkt in diesen Fällen nicht entspannt.

Das Tier verliert häufig seinen Appetit, bewegt sich zu wenig und kann mit den Zähnen knirschen.

Du solltest in diesen Fällen sofort einen Tierarzt aufsuchen. Denn sowohl Durchfall als auch Verstopfung sind bei Kaninchen ernstzunehmende Probleme, die innerhalb kürzester Zeit zum Tod führen können.

Bei Durchfall ist der Verlust von Wasser und Nährstoffen bereits in wenigen Stunden kritisch.

Bei einer Verstopfung droht das Risiko eines Darmverschlusses, bei dem Abschnitte des Darms absterben können.

Beides ist akut lebensgefährlich. Die Seitenlage dient dabei entweder der Linderung von Schmerzen oder rührt von der fortschreitenden Schwächung des Organismus her. Das Kaninchen kann sich nicht mehr auf den Beinen halten und wirkt schwach.

Dein Handeln ist gefordert: Kaninchen liegt auf der Seite und zittert

Kaninchen können aus verschiedenen Gründen zittern.

Mögliche Auslöser sind:

  • Kälte
  • drohender Hitzschlag
  • Angst
  • Stress
  • Aufregung
  • Krankheiten
  • Schmerzen

In Kombination mit der Seitenlage entfallen Kälte und Stress jedoch. Auch bei Angst und Aufregung werden in der Regel andere Positionen eingenommen, die den Körper besser schützen oder das Kaninchen bewegt sich vermehrt, um die nervöse Energie abzubauen.

Bei einer Seitenlage und gleichzeitigem Zittern sind Schmerzen, Krankheiten und ein beschleunigter Herzschlag oder ein drohender Hitzschlag daher häufigere Gründe.

In jedem Fall musst du dein Tier sofort zum Tierarzt oder in eine Tierklinik bringen.

Sind die Temperaturen sehr hoch, solltest du zusätzlich kühlen. Schatten, Kühl-Akkus und kühles Wasser sind hilfreich. Befeuchte die Ohren zudem und lege unter anderem eine Kühlmatte aus, um die Körpertemperatur sanft und dennoch schnell zu senken.

Auch das gezielte, aber vorsichtige Befeuchten der Pfoten kann dabei helfen, einem Hitzschlag vorzubeugen.

Seitenlage durch Lähmungen

Durch Verletzungen oder einen Befall mit Kokzidien können Kaninchen unter Lähmungserscheinungen leiden.

Meist lassen sich die Hinterbeine dann nicht mehr kontrollieren oder gezielt bewegen. Die Tiere schleifen die Beine hinterher und können die Pfoten nicht mehr richtig aufsetzen.

Auch beim Liegen ist der Unterleib daher seitlich ausgerichtet.

Es muss sich hierbei nicht um ein Todesurteil handeln.

In vielen Fällen helfen medikamentöse Therapien und Physiotherapie dabei, den Zustand wieder zu verbessern. Entscheidend ist dabei jedoch, dass eine frühzeitige Untersuchung und Behandlung erfolgt.

Kaninchen in Seitenlage: Apathie

Ein apathisches Kaninchen, das abwesend wirkt oder sogar bewusstlos ist, ist ein absoluter Notfall. Informiere sofort einen Tierarzt oder eine Tierklinik und beschreibe den Zustand, während du dein Tier in Praxis oder Klinik bringst.

Bedenke dabei, dass jede Minute zählt.

Beschreibe den Zustand und die Begleitsymptome so genau wie möglich:

  • Ist die Atmung flach?
  • Hatte dein Kaninchen die Möglichkeit, giftige Stoffe aufzunehmen?
  • Sind die Schleimhäute sehr hell?
  • Gab es vorausgehende Anzeichen, wie etwa Appetitverlust, Schwäche, gesteigerte Müdigkeit, ein höheres Ruhebedürfnis oder Blut im Urin?

Je mehr Informationen du liefern kannst, umso gezielter ist eine abgestimmte Behandlung möglich. In derlei akuten Fällen ist das ein entscheidender Faktor für die Überlebenschancen.

Seitenlage als Anzeichen vor dem Tod

Wenn ein Kaninchen dem Tod nahe ist, ändert sich das Verhalten oftmals erheblich.

Das Tier wird ruhiger bis apathisch, streckt sich oftmals oder liegt viel. Es scheint nicht mehr aktiv am Geschehen teilzunehmen und versteckt sich eventuell sogar.

Die Seitenlage ist dann ebenfalls auf Schwäche zurückzuführen.

Eine flache und beschleunigte Atmung kann auftreten. Der Herzschlag kann beschleunigt sein. Zuckungen, Zittern und Bewusstlosigkeit sind möglich.

Oftmals zeichnet sich das Versterben im Vorfeld bereits ab.

Hier ist abzuwägen, ob sich noch sinnvolle Behandlungsmöglichkeiten finden oder ein Einschläfern Leid vermeiden kann. Sofern dein Tier unter Schmerzen leidet, die nicht mehr medikamentös therapiert und gelindert werden können, solltest du eine Euthanasie in Betracht ziehen.

Wann muss ich meinem Kaninchen in Seitenlage helfen?

Eine Seitenlage ist nicht automatisch schlecht oder ein Anzeichen für Krankheiten beziehungsweise Verletzungen oder Schwäche.

Die Position kann ebenso auf pure Entspannung und Wohlbefinden hinweisen.

Wichtig ist, dass du die Unterschiede klar erkennen kannst.

Ein sofortiges Eingreifen ist erforderlich, wenn:

Die Atmung verändert ist

Ob die Atmung sehr schnell oder flach und schnell ist, deutlich verlangsamt oder hörbar ausfällt – hierbei handelt es sich in jedem Fall um Warnzeichen.

Nimm diese unbedingt ernst.

Das Verhalten auffällig ist

Ein extremes Ruhebedürfnis, plötzliche Unruhe, Aggressionen oder Scheu sind Symptome für bestehende Probleme.

Ein Tierarztbesuch kann und sollte in diesen Fällen daher schon vor der auffälligen Seitenlage erfolgen.

Eine sehr hohe Körpertemperatur besteht

Ob Fieber oder pralle Sommersonne – ebenso wie Unterkühlung kann ein Hitzschlag tödlich sein.

Der Kreislauf bricht zusammen. Die Organe stellen ihre Funktion ein, da sie nicht mehr versorgt werden können. Vorbeugung ist dabei lebenswichtig und schnelles Handeln gefragt.

Veränderungen auffallen

Vermehrter Durst, Speichelfluss, Blut im Urin, verringerter Kotabsatz, dünneres Fell – all das kann sich bereits zuvor abzeichnen und auf verschiedene Probleme hinweisen.

Eine umfassende Kontrolle durch den Tierarzt sollte frühzeitig erfolgen, um fortschreitende Erkrankungen, Vergiftungen oder sonstigen Befällen vorzubeugen.

Weitere Symptome hinzukommen

Blutungen aus Nase oder Mund, verzweifelte Versuche, aufzustehen, Wegknicken, Umfallen oder hektisches Umherlaufen sollte dich immer zum Tierarzt führen.

Ein abschließender Tipp: der richtige Kaninchen-Tierarzt

Such dir am besten bereits vor der Anschaffung von Kaninchen einen oder bessere noch mehrere Tierärzte mit umfassender Erfahrung in Hinblick auf Kaninchen aus. Denn bei diesen handelt es sich im Studium und während der Ausbildung oftmals um Randthemen.

Zudem kommt Kaninchen auch als Haustieren noch immer nicht der gleiche Stellenwert wie etwa Hunden zu. Viele Tierärzte kennen sich daher mit dieser Tierart nur peripher aus, raten vorschnell zur Einschläferung oder haben keine Erfahrung mit typischen Problemen und deren Behandlung.

Für ein langes und gesundes Leben sind aber genau diese Erfahrungen und das notwendige Wissen wichtig.

Da sich entsprechende Ärzte nur selten finden, solltest du die Suche so zeitig wie möglich beginnen. Gegebenenfalls können dir dabei Züchter oder andere Kaninchenhalter in deiner Umgebung behilflich sein.

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