Kaninchen Verstopfung: 6 häufige Ursachen inkl. Behandlung

Verstopfung bei Kaninchen kann durch eine falsche Ernährung, die Aufnahme von Fell oder Textilien sowie anderen stopfenden Materialien, aber auch durch Bewegungsmangel auftreten.

Achtung: Entwickelt sich daraus ein Darmverschluss, kann innerhalb weniger Stunden ein lebensgefährlicher Zustand eintreten.

Du solltest als Kaninchenhalter also die Anzeichen einer Verstopfung unbedingt erkennen!

Wie das geht und was du im Krankheitsfall sofort tun musst, erfährst du jetzt.

6 häufige Ursachen für Verstopfung bei Kaninchen

Leidet dein Kaninchen unter Verstopfung, können sich dafür verschiedene Ursachen verantwortlich zeigen. Darunter:

#1: Falsche Fütterung

In der Wildnis lebende Kaninchen benötigen viel Raufutter, wie Gras-Heu, getrocknete Kräuter, Rinde und Laubblätter.

Sie nehmen wenige Samen, Körner und Kerne auf, ernähren sich zusätzlich von Frischfutter, wie Grass und Kräutern. Gemüse und Obst macht oftmals einen verschwindend geringen Anteil der Ernährung aus.

Anders verhält es sich bei Kaninchen, die als Haustier gehalten werden.

Sie werden in der Regel hauptsächlich mit fertigem Körnerfutter oder Pellets und gegebenenfalls etwas Gemüse und Obst ernährt.

Verdauungsbeschwerden treten daher sehr häufig auf.

Bei diesen kann es sich um Blähungen, Durchfall oder auch Verstopfung handeln, da die Ballaststoffe fehlen und zu viel Stärke gefüttert wird.

Ein weiterer möglicher Grund für Verstopfung in Verbindung mit Blähungen ist eine nicht ausreichende Fütterung.

Da Kaninchen einen Stopfmagen haben, müssen sie über den Tag verteilt zahlreiche kleine Mahlzeiten einnehmen. Das Futter sollte ein möglichst großes Volumen aufweisen, damit es den bereits vorhandenen Inhalt von Magen und Darm hinausdrückt.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann die Verdauung ins Stocken geraten.

#2: Aufnahme von übermäßig viel Fell

Gerade bei langhaarigen Rassen oder Mischlingen kann die Fellpflege für das Kaninchen sehr anstrengend sein und im Fellwechsel dazu führen, dass größer Mengen an Haaren aufgenommen werden.

Diese Haare können sich im Magen zu einer Art Haarball formen und eine Verstopfung oder sogar einen Darmverschluss erzeugen.

Das gleiche Risiko besteht auch, wenn mehrere Tiere zusammengehalten werden und diese sich gegenseitig putzen.

Das Gefährliche daran ist, dass die Aufnahme von Fell meist nicht auffällt.

Es ist daher oftmals überraschend, wenn der Kotabsatz ohne ersichtlichen Grund schwerfällt oder kaum mehr möglich ist. Die Köttel sind dadurch oftmals größer und können von transparentem bis gelblichem Schleim ummantelt sein.

Werden diese zerdrückt, fällt der große Anteil an Fellhaaren auf.

#3: Fressen von Textilien

Kaninchen sind neugierige und nagefreudige Tiere, vor denen weder Kabel noch Teppiche sicher sind. Gardinen, Handtücher, Decken und andere Textilien können im Magen und Darm aufquellen oder die Fasern können sich zusammenballen.

In beiden Fällen besteht die Gefahr einer Verstopfung bis hin zum Darmverschluss.

Das Gute an dieser Ursache für die Verstopfung ist, dass die Nagespuren ein eindeutiger Hinweis sind und sich dem Risiko vergleichsweise einfach vorbeugen lässt.

#4: Unzureichende Flüssigkeitszufuhr

Damit der Kot des Tieres zwar geformt und trocken ist aber dennoch problemlos den Darm passieren kann, muss das Kaninchen mit ausreichend Flüssigkeit versorgt sein.

Trinkt es schlecht und erhält auch ansonsten kaum wasserreiche Nahrung, ist eine Verstopfung also eine typische Folge.

#5: Zu wenig Bewegung

Wenn dein Kaninchen sich nicht ausreichend bewegen kann, leidet darunter unter anderem die Durchblutung.

Die Verdauung kann träge werden. Dadurch kann sich der Kot noch im Darm ansammeln und die Köttel werden sehr groß.

Tritt dieser Fall ein, fällt der Absatz zunehmend schwer und kann mit Schmerzen verbunden sein.

#6: Gefährliche, quellende Substanzen

Neben Textilien und Fell kann das Kaninchen auch Substanzen aufnehmen, die im Magen oder Darm stark aufquellen oder verklumpen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Klumpstreu
  • Kork
  • Stroh-Pellets
  • Zellstoff
  • Papier und Pappe

Diese sind unverdaulich, nehmen viel Flüssigkeit auf und können ebenfalls zu einem Darmverschluss führen.

#6: Verstopfung durch Krankheiten

Eine weitere mögliche Ursache für Verstopfung sind erbliche oder durch Erreger ausgelöste Krankheiten, wie Megacolon.

Hierdurch wird die Verdauung erheblich gestört. Durchfall, Blähungen und Verstopfung sind die potenziellen Folgen.

Findest du keine andere Ursache für die Beschwerden, sollte dringend eine tierärztliche Untersuchung erfolgen. Denn allein durch die richtige Ernährung und das Vermeiden anderer Risiken lässt sich der Verstopfung nicht dauerhaft vorbeugen.

#6: Verstopfung durch verklebtes Fell

Hatte dein Kaninchen gerade sehr weichen, breiigen oder sogar flüssigen Kot, kann das Fell im Afterbereich verklebt sein.

Möglicherweise wirkt es daher als eine Art Verschluss und das Tier kann keinen Kot mehr absetzen. In der Folge staut dieser sich Darm und die Köttel werden größer oder es werden sogar mehrere zusammengedrückt.

Umso länger dieser Zustand anhält, umso schwieriger wird es in der Folge den Darm zu leeren.

Typische Anzeichen für Verstopfung bei Kaninchen

Verstopfung fällt oftmals nicht sofort auf, vor allem, wenn du mehrere Tiere zusammenhältst. Mögliche Anzeichen sind:

Beobachte dein Tier genau und such einen Tierarzt auf, wenn es unter Verstopfung leidet und du dir unsicher bist, seit wann dieser Zustand besteht. Ist es gerade eben erst zu einem geringeren Kotabsatz gekommen, kannst du mit den folgenden Tipps entgegenwirken.

Verstopfung bei Kaninchen erfolgreich behandeln

Wenn dein Kaninchen noch Kot absetzen kann, die Menge jedoch verringert ist, kannst du zunächst versuchen, durch Hausmittel und andere Hilfen die Verstopfung zu lösen.

Dabei solltest du die folgenden Mittel und Maßnahmen testen:

Maßnahme 1: Flüssigkeitszufuhr

Biete viel frisches Wasser, Kamillentee und Fencheltee an.

Trinkt dein Kaninchen nicht von allein, kannst du mit einer Spritze ohne Kanüle die Flüssigkeit direkt in das Maul geben. Dazu wird die Öffnung seitlich in den Mund geschoben und so langsam geleert, dass jeweils nur ein bis zwei Tropfen austreten.

Anderenfalls besteht die Gefahr, dass sich dein Tier verschluckt.

Maßnahme 2: Wasserreiches Futter

Biete besonders wasserreiches Futter, wie Gurke, Melone und Fenchelknollen an. Hierdurch wird der Kot weicher.

Zudem werden die Schleimhäute besser versorgt.

Maßnahme 3; Heu und Kräuter

Heu und Kräuter, wie Fenchel, Kamille, Melisse oder Petersilie, regen die Verdauung an und können die Verstopfung lösen.

Maßnahme 4: Wärme

Verstopfung geht häufig mit Krämpfen und Schmerzen einher. Wärme kann zumindest die Krämpfe reduzieren und somit die Beschwerden lindern.

Maßnahme 5: Öl verabreichen

Hochwertiges Pflanzenöl, wie kaltgepresstes Leinöl oder Rapsöl, fungiert als Abführmittel.

Gib wenige Milliliter davon direkt in den Mund des Kaninchens. Hierdurch wird der Kot gewissermaßen ummantelt und rutscht besser durch die Darmpassage.

Maßnahme 6: Creme und Massage

Verwende Öl oder eine Wund- und Heilsalbe und massiere diesen in den Afterbereich ein. Dadurch wird die Durchblutung gesteigert und die Haut bleibt elastisch.

Gerade bei größeren Kötteln kannst du hierdurch vermeiden, dass die empfindliche Haut einreißt.

Zudem kann das Massieren oder Wischen an das Putzen durch die Mutter erinnern, was zum Kotabsatz anregt.

Maßnahme 7: Zur Bewegung animieren

Lässt sich dein Kaninchen noch durch Leckereien locken, versuche es zur Bewegung zu animieren. Diese kann auflockernd und anregend wirken.

Setzt dein Kaninchen nach einigen Stunden und trotz aller Versuche keinen Kot ab, such umgehend einen Tierarzt auf. Denn dann kann mehr als eine Verstopfung bestehen. Ein Darmverschluss ist ebenfalls möglich. Dieser kann unbehandelt innerhalb kürzester Zeit zum Tode führen.

Behandlung durch den Tierarzt

Bei einer bestehenden Verstopfung kann der Tierarzt verschiedene Mittel einsetzen, um die Beschwerden zu lösen und beim Leeren des Darms zu helfen.

Möglich sind dabei die folgenden Maßnahmen…

Krampflöser

Mit der Verstopfung gehen häufig auch Krämpfe und Schmerzen einher.

Durch geeignete Medikamente lassen sich diese beheben. Das entspannte Gewebe kann bereits ausreichen, um den Darm zu leeren.

Abführmittel

Abführmittel können den Stuhl aufweichen und die Darmtätigkeit anregen.

Verabreiche jedoch niemals Mittel, die auf Menschen ausgelegt sind, da diese dein Kaninchen vergiften können.

Einlauf

Wenn die Mittel nicht wirken, kann mit einem Katheter oder einer Knopfkanüle und einer Spritze Flüssigkeit oder Öl in den Darm gegeben.

Hierdurch wird der Kot aufgeweicht oder geschmiert und herausgespült.

Darm räumen

Wenn all dies nicht ausreicht, muss der Darm manuell geräumt werden.

Bei größeren Tieren und bei Menschen ist das durch das Einführen von Fingern oder der Hand möglich. Aufgrund der Größe von Kaninchen müssen bei ihnen hingegen kleinere Instrumente zum Einsatz kommen.

In der Regel wird dafür ein Betäubungsmittel verabreicht, um deinem Kaninchen unnötigen Stress zu ersparen und die Muskulatur zu entspannen.

Verstopfungen beim Kaninchen vorbeugen

Einer Verstopfung oder gar einem Darmverschluss vorzubeugen ist abgesehen von bestehenden erblichen Erkrankungen einfach möglich.

Achte auf eine artgerechte Ernährung mit viel hochwertigem Heu und Grünfutter. Vermeide aber eine zu schnelle Umstellung, sondern führe diese schrittweise durch. Biete täglich frisches Wasser und gelegentlich auch Tee an.

Sorge dafür, dass sich dein Kaninchen jeden Tag ausreichend bewegen kann.

Freilauf in der Kaninchen-sicheren Wohnung oder in einem Auslauf im Garten sind ideal.

Zudem sollte der Käfig beziehungsweise das Kaninchenheim groß genug sein, dass dein Tier zumindest problemlos hin- und herlaufen kann. Einen Ersatz für täglichen Freilauf stellt eine solche Unterkunft jedoch nicht dar.

Unterstütze dein Tier zudem bei der Fellpflege.

Regelmäßiges Bürsten und Kämmen entfernt lose Haare und verhindert, dass diese im Verdauungstrakt landen. Zudem kannst du dabei direkt den Afterbereich auf Verschmutzungen und verklebtes Fell kontrollieren und bei Bedarf reinigen.

In Kombination mit regelmäßigen Untersuchungen beim Tierarzt und dem Entfernen potenziell gefährlicher Materialien aus der Reichweite des Kaninchens kannst du so das Risiko für eine Verstopfung erheblich senken.

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