Kaninchen Urin stinkt – 9 typische Ursachen inkl. Behandlung

Der Urin von Kaninchen ist zu keinem Zeitpunkt ein Genuss für die Geruchsnerven – das sollte eigentlich jedem klar sein.

Dennoch kommt es hin und wieder vor, dass der Urin offensichtlich ganz besonders stinkt.

Welche Ursachen hinter diesem teilweise beißenden Geruch stecken und in welchen Fällen du unbedingt handeln solltest (einige der 9 vorgestellten Ursachen sind definitiv gefährlich) verraten wir dir jetzt.

Warum stinkt Kaninchen-Urin?

Kaninchen-Urin kann aufgrund von Futtermitteln, Konzentration des Harns, Geschlechtsreife und Krankheiten einen starken Geruch aufweisen.

Bei plötzlichen Änderungen sollte daher immer ein Tierarztbesuch erfolgen.

Urin riecht nie angenehm.

Bei Kaninchen kommt hinzu, dass sie häufig sehr wenig trinken, sodass der Harn stark konzentriert ist. Das intensiviert den Geruch und kann zu einer dunkleren Farbe führen.

Allerdings gibt es noch weitere Auslöser für einen sehr scharfen, heftigen oder unangenehmen Geruch, denen du auf den Grund gehen solltest.

9 typische Ursachen stellen wir dir jetzt vor.

Ursache 1: Geschlechtsreife tritt ein

Mit etwa zwölf Wochen erreichen Kaninchen die Geschlechtsreife.

Ebenso wie bei Menschen, Hunden oder Katzen verändert sich dabei der Hormonhaushalt erheblich. Das macht sich auch bei dem Geruch des Urins bemerkbar.

Vor allem, aber nicht nur bei Böcken riecht der Harn deutlich schärfer und stärker. Auffallend ist oftmals eine Ammoniak-Note.

Zudem lösen sich die Tiere nicht mehr nur im Sitzen, sodass der Urin direkt in der Einstreu versickert. Sie „spritzen“ auch. Dabei handelt es sich um das Markieren des Reviers und ihrer Artgenossen.

Das Markieren kann sowohl durch Weibchen als auch Männchen erfolgen.

Vorbeugung und Behandlung

Der Geschlechtsreife und den damit verbundenen Änderungen lässt sich nicht vorbeugen.

Bei dominanten Kaninchen und Männchen bietet sich allerdings eine Kastration an.

Diese ist ohnehin notwendig, wenn gegengeschlechtliche Paare oder kleinere Gruppen mit verschiedenen Geschlechtern gehalten werden. Denn nur so lassen sich ungewollter Nachwuchs oder auch Aggressionen zwischen den Artgenossen vermeiden.

Ursache 2: Blasensteine und -entzündung

Kaninchen neigen bei falscher Fütterung zu Blasengrieß und -steinen.

Diese bestehen zu einem großen Teil aus Kalzium. Das Risiko dafür ist erhöht, da der Organismus der Tiere nicht nur die benötigte Menge des Mineralstoffs aus der Nahrung aufnimmt, sondern den kompletten Gehalt.

Was nicht sofort verbraucht wird, scheidet der Körper über die Nieren und die Blase wieder aus.

Bei einer sehr hohen Konzentration kann das Kalzium nicht mehr vollständig in dem Urin aufgelöst werden. Es wird daher nicht während des Lösens abgesetzt, sondern kristallisiert in der Harnblase. Aus diesen können sich über längere Zeit Harnschlamm beziehungsweise Harngrieß und schließlich Blasensteine bilden.

Diese Blasensteine können zum einen bereits direkt den Geruch des Urins verändern. Zum anderen steigt das Risiko für Blasenentzündungen und Harnwegsinfekte. Eine solche Infektion kann den Urin ebenfalls stärker und anders riechen lassen.

Blasensteine und -entzündungen lassen sich anhand verschiedener Symptome bemerken.

Zu diesen gehören unter anderem:

  • häufiges Urinieren
  • Absetzen von sehr kleinen Mengen Urin
  • verfärbter Urin
  • Appetitverlust
  • Schmerzreaktionen auf Berührungen am Bauch
  • Fieber
  • Blutbeimengungen im Urin
  • feuchter bis nasser Bauch

Eine genaue Diagnose lässt sich jedoch nur durch entsprechende Untersuchungen stellen.

Hierzu gehören Kontrollen von Urin und Blut sowie ein bildgebendes Verfahren, wie Röntgen oder Ultraschall. Grieß oder Steine lassen sich hierdurch erkennen.

Behandlung von Blasensteinen und Blasenentzündungen

Die Therapie ist abhängig von der genauen Ursache und Ausprägung.

In beiden Fällen ist es sinnvoll, die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen und damit eine Spülung der Blase zu bewirken. Der Tierarzt kann hierzu Infusionen ansetzen. Du kannst die Therapie durch das Anbieten von Tee und wasserreicher Nahrung unterstützen.

Bei Bedarf kann ein Schmerzmittel und Antibiotikum verabreicht werden.

Lassen sich Blasensteine nicht durch das Spülen entfernen, da sie bereits zu groß sind, um durch die Harnröhre zu passen, kann eine Operation erforderlich werden. Hierbei wird die Blase manuell geleert und gespült, um Blasenschlamm, -grieß und Steine zu entfernen. Das beugt auch dem Risiko eines Harnstaus vor.

Halte dein Kaninchen als Zusatz zur Therapie warm, vermeide Stress und biete Gurke, Kamillentee und viel kalziumarmes Grünfutter an. Eine weitere Variante ist Karotten als Morosche Möhrensuppe zu geben, auch hierdurch wird mehr Flüssigkeit aufgenommen.

Vorbeugung

Die richtige Ernährung und täglich frisches Wasser in ausreichenden Mengen sind die Basis für die Vorbeugung von Blasensteinen.

Achte darauf, dass dein Kaninchen viel trinkt beziehungsweise Flüssigkeit aufnimmt. Das lässt sich dadurch begünstigen, dass viel Grünfutter zur Verfügung gestellt und das Wasser aromatisiert wird.

Ein dünner Teeaufguss aus Fenchel oder Kamille kann ebenso wie Gurke oder Beeren im Wasser dafür sorgen, dass dein Kaninchen mehr und häufiger trinkt.

Ebenfalls geeignet sind Gurken, Paprika, Tomaten, Wassermelone und weitere kalziumarme aber wasserreiche Obst- und Gemüsesorten.

Ursache 3: Nierenerkrankungen

Ebenso wie bei Problemen im Bereich der Blase kann auch die Nierenfunktion eingeschränkt sein und dadurch zum Stinken des Urins führen.

Mögliche Ursachen sind:

  • Belastung durch die Einnahme von Medikamenten
  • Vergiftungen
  • Bildung von Nierensteinen
  • Infektionen
  • Tumore
  • Parasiten

Die Nieren können dann in ihrer filternden und ausscheidenden Funktion gestört sein, was die Zusammensetzung des Urins erheblich beeinträchtigt und damit den Geruch verändert.

Um die Diagnose zu stellen, ist es erforderlich, entsprechende Untersuchungen durchzuführen. Hierzu gehören die Kontrolle der Blutwerte, eine Harnprobe und Röntgenaufnahmen aus zwei Ebenen oder alternativ eine Ultraschalluntersuchung.

Veränderungen und Steine lassen sich hierdurch ebenso feststellen wie Entzündungen, Tumore und Parasiten.

Behandlung

Hier finden sich kaum Unterschiede zu der Behandlung der Blase. Ist eine medikamentöse Therapie nicht ausreichend, kann eine Operation erforderlich sein. Sinnvoll ist es zudem oftmals, die Ernährung umzustellen und die Flüssigkeitszufuhr anzupassen.

Durch fortlaufende Untersuchungen von Urin und Blut sind Änderungen der Werte frühzeitig bekannt, sodass entsprechende Veränderungen in der Behandlung vorgenommen werden können.

Vorbeugung

Wiederum zeigen sich Ernährung und Wasseraufnahme als ausschlaggebend für die Gesundheit der Nieren.

Ausreichend Bewegung und damit eine verbesserte Durchblutung kann ebenfalls vorbeugend wirken. Halte dein Kaninchen warm und achte auf Veränderungen im Verhalten und beim Absetzen von Urin.

Ursache 4: Falsche Kaninchen-Fütterung

Nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren wirkt sich die Ernährung direkt auf die Ausscheidungen aus. Konsistenz, Menge und Geruch sowie Farbe sind davon betroffen.

Bei Futter mit großen Mengen an Farbstoffen, wie etwa Karotten, Rote Bete oder Paprika, kann der Urin sich ebenfalls verfärben und dunkler ausfallen.

Zudem kann sich der Geruch verändern.

Besonders bei Kohl, größeren Mengen an Stärke und zu wenig Grünfutter kann der Urin beginnen zu stinken.

Behandlung durch Futterumstellung

Eine Behandlung durch den Tierarzt ist in diesem Fall nicht erforderlich.

Du solltest dich jedoch eingehend mit einer artgerechten Ernährung befassen und den Speiseplan deiner Kaninchen ausgewogen und abwechslungsreich gestalten.

Stelle zudem das Futter schrittweise um.

Denn eine plötzliche Änderung kann zu Verdauungsbeschwerden führen und damit Probleme erzeugen.

Ursache 5: Mangelhafte Hygiene und Pflege

In einigen Fällen hat ein stärkerer oder strengerer Uringeruch nichts mit dem Harn an sich zu tun.

Bei der Käfighaltung mit einer Bodenschale aus Kunststoff zieht der Geruch jedoch mit der Zeit in das Material ein. Auch eine regelmäßige und gründliche Reinigung kann daran nichts ändern.

Das Material wird durch das Putzen aufgeraut und kann auch durch die Krallen der Tiere oberflächlich Schaden nehmen. Hierdurch setzt sich der Gestank fest und tritt bereits nach kurzer Zeit wieder auf.

Hinzu kommen Einstreu und Einrichtung des Kaninchenheims.

Werden diese nicht regelmäßig ausgewechselt, können sie ebenfalls stinken. Durch Enzymreiniger und eine sehr saugfähige Einstreu lässt sich diesem Problem vorbeugen. Dennoch sollten geruchsintensive Materialien besser entsorgt werden.

Lösung und Vorbeugung

Eine dicke Schicht Einstreu oder das Einbringen einer Kaninchentoilette schützen die Bodenschale vor starken Verunreinigungen.

Speziell gegen Tiergerüche konzipierte Enzymreiniger helfen dabei auf schonende Wiese eine gründliche Reinigung durchzuführen und Gestank zu beseitigen.

Ursache 6: Veränderungen der Geschlechtsorgane

Sowohl Männchen als auch Weibchen können mit Erreichen der Geschlechtsreife zu dominantem Verhalten neigen.

Ein Anzeichen dafür ist das Besteigen und Rammeln der Artgenossen.

Das ist in geringem Maße nicht bedenklich, sondern normal. Tritt es jedoch mehrfach täglich auf, markiert das Kaninchen verstärkt und ist auch ansonsten unruhig, solltest du einen Tierarzt aufsuchen.

Denn ein möglicher Grund sind hormonelle Störungen sowie Veränderungen an den Geschlechtsorganen. Sollte dies der Fall sein, ist meist eine Kastration angeraten. Aufgrund der geringen Größe der Tiere ist es hierfür erforderlich, einen mit Kaninchen erfahrenen Tierarzt zu wählen.

Ursache 7: Infektionen

Infektionen, aber auch Parasiten greifen in verschiedene Prozesse des Organismus ein.

Gewebe wird geschädigt, Schleimhäute produzieren mehr Sekret und die Ausscheidung einiger Substanzen wird beeinträchtigt.

Hierdurch kann sich die Zusammensetzung des Urins verändern, was sich auch auf den Geruch auswirkt.

Falls sich kein anderer Grund für den Gestank findet, sollte daher eine gründliche und umfassende Untersuchung erfolgen, die auch eine Blutkontrolle mit einschließt.

Urin und Kot sind ebenfalls zu überprüfen, um einen Befall mit Parasiten oder eine Infektion frühzeitig zu erkennen und entsprechend behandeln zu können.

Behandlung

Eine pauschale Antwort hierauf kann es selbstverständlich nicht geben, da die Therapie abhängig von der zugrundeliegenden Erkrankung ist.

Antibiotika oder Mittel gegen Parasiten kommen häufig zum Einsatz.

Du kannst die medikamentöse Behandlung noch zusätzlich unterstützen, indem du das Immunsystem stärkst. Achte dafür auf eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und vermeide Stress.

Infektionen und Parasiten vorbeugen

Eine saubere Umgebung und ein starkes Immunsystem sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen dabei, dein Kaninchen gesund zu erhalten.

Wichtig ist zudem, bei Veränderungen im Verhalten einen Tierarzt aufsuchen. Denn die Tiere sind empfindlich, zeigen Beschwerden aber meist erst spät. Umso wichtiger ist eine sofortige Behandlung.

Ursache 8: Medikamente

Einige Medikamente haben als Nebenwirkung die Belastung von Organen und können aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung zu einem veränderten Uringeruch führen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Antibiotika
  • Schmerzmittel
  • Mittel gegen Parasiten

Auch die Therapie von Arthritis oder Arthrose kann sich merklich im Urin niederschlagen.

Behandlung und Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist nicht möglich, da es sich um Nebenwirkungen notwendiger Medikamente handelt.

Bleibt es bei dem veränderten Geruch, ist das allerdings unproblematisch.

Zeigen sich hingegen Beschwerden, muss eine Änderung der Medikation in Betracht gezogen werden.

Ursache 9: Fehlende Flüssigkeitszufuhr

Kaninchen neigen dazu, zu wenig zu trinken.

Werden sie zudem mit Trockenfutter und Heu ernährt, gewinnen sie aus dem Futter ebenfalls keine Flüssigkeit. Der Urin ist dann sehr konzentriert, wodurch er intensiver riechen kann.

Das ist nicht nur unangenehm für menschliche Nasen, sondern kann auch die Gefahr für gesundheitliche Probleme erhöhen.

Behandlung von Dehydration

Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann den Ablauf lebenswichtiger Prozesse einschränken.

Ist der Urin sehr konzentriert und wird nur in geringen Mengen abgegeben, kann der Tierarzt durch Infusionen direkt gegensteuern und den Organismus mit Wasser versorgen.

Sinnvoll ist zudem eine schrittweise Ernährungsumstellung mit einem größeren Anteil an Grünfutter und wasserreichem Gemüse, die Behandlung von Durchfall und viel Bewegung.

Vorbeugung

Eine artgerechte Haltung und Fütterung sowie die Kontrolle der Trinkmenge sind entscheidend.

Schwacher Teeaufguss kann dafür sorgen, dass dein Kaninchen mehr trinkt. Zudem kannst du versuchen, Wasser nicht nur in der Trinkflasche anzubieten. Denn einige Kaninchen neigen dazu, lieber aus einer Schale zu trinken.

Gemüse und Grünfutter tragen zur Versorgung mit Flüssigkeit bei und können beispielsweise nach dem Abwaschen noch leicht feucht sein, wenn du sie deinem Tier anbietest.

Zudem kannst du das Wasser geschmacklich anpassen. Lege zum Beispiel eine Gurkenscheibe in das Trinkwasser, bevor du es in die Flasche füllst, oder zerdrücke eine Beere darin.

Wann muss das Kaninchen wegen stinkendem Urin zum Tierarzt?

Bei einer plötzlichen Veränderung des Geruchs und wenn diese nicht nur auf das Einsetzen der Geschlechtsreife zurückzuführen ist, solltest du umgehend einen Tierarzt aufsuchen.

Das gilt auch, wenn neben dem Geruch weitere Symptome auftreten:

  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Wassereinlagerungen
  • Fieber
  • Zähneknirschen
  • Verdauungsbeschwerden

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