Können Kaninchen Depressionen haben? (inkl. Anzeichen und Gegenmaßnahmen)

Kaninchen sind gesellige und lebenslustige Tiere, die aktives Interesse an ihrer Umwelt zeigen.

Die fröhlichen und überaus intelligenten Mümmler möchten körperlich und auch geistig gefordert werden. Ihre große Bewegungsfreude muss ebenso gestillt werden.

Viele Kaninchenbesitzer unterschätzen den Pflege- und Zeitaufwand oder haben sich im Vorfeld nicht ausreichend über die optimalen Haltungsbedingungen informiert. Die Folgen sind oftmals fatal, denn Kaninchen leiden still und meist unbemerkt.

Ein, aus welchen Gründen auch immer, traumatisiertes Tier kann ähnlich, wie wir Menschen eine Depression entwickeln.

Welche Gründe es für solche psychischen Störungen gibt, wie sich die Symptome äußern und was du dagegen tun kannst, erfährst du in diesem wichtigen Beitrag.

Einzelhaltung von Kaninchen kann zu Depressionen führen

Kaninchen sind Gruppentiere und sollten deshalb niemals allein gehalten werden.

Glücklicherweise erfolgt hier langsam ein Umdenken. In der Fachliteratur und in den meisten Internetforen rund um das Thema Kaninchen wird von der Einzelhaltung zumeist abgeraten. Für deinen tierischen Mitbewohner ist der soziale Kontakt mit Artgenossen nämlich essenziell, eine artgerechte Haltung ist erst ab zwei Tieren gegeben.

Die Tiere kuscheln sich gern aneinander, sie lieben den körperlichen Kontakt mit ihresgleichen.

Auch wenn du dein Kaninchen noch so viel streichelst, wirst du ihm niemals seine Artgenossen ersetzen können. Denn die kleinen Tiere betreiben auch oft und gerne gegenseitige Fellpflege, fressen zusammen und kommunizieren viel und ständig untereinander.

Ohne diese wichtigen Grundlagen fühlt sich dein Kaninchen niemals richtig wohl und es ist alles andere als glücklich. Seine Anfälligkeit gegenüber Krankheiten steigt, denn das seelische Leid wirkt sich sowohl durch körperliche als auch psychische Schäden negativ auf die Gesundheit aus.

Die Käfiggröße spielt ebenfalls eine wichtige Rolle für sein Wohlbefinden. Viele Kaninchenbesitzer sperren ihre Tiere meist aus Unkenntnis in viel zu kleine Käfige.

Plötzlich allein – Trauer um den verstorbenen Partner

Wenn du zwei Kaninchen hältst und eines davon stirbt, stellt der Tod seines Partners das verbliebene Tier vor eine große Belastung – insbesondere dann, wenn sich die Tiere sehr gemocht haben. Der plüschige Fellträger ist sehr wohl in der Lage, Trauer über den Verlust seines Artgenossen zu empfinden und wird ihn natürlich vermissen. Da er nicht versteht, warum sein Partner plötzlich nicht mehr da ist, sucht er ihn ständig, ist gestresst und ruhelos.

Nach einiger Zeit resigniert das Tier, wird depressiv und in sich gekehrt.

Attacken durch andere Kaninchen

Es kann allerdings auch vorkommen, dass innerhalb eines Kaninchen-Verbandes ein Tier von den anderen ständig attackiert wird. Es wird körperlich angegangen, nicht ans Fressen gelassen und erfährt kein soziales Miteinander der übrigen Kaninchen.

Ein solch ausgegrenztes, regelrecht „gemobbtes“ Tier verliert mit der Zeit seinen Lebensmut und kann ebenfalls in eine tiefe Depression verfallen.

Chronische Schmerzen als Ursache für Depression?

Ist ein Kaninchen krank, leidet es still vor sich hin.

Meist bemerkst du es gar nicht, weil es ein schleichender Vorgang ist.

Eine unbehandelte Krankheit führt dazu, dass sich der kleine Hoppler selbst aufgibt. Er baut sowohl körperlich als auch mental ab, was sich bis zu einer Depression ausweiten kann.

Depression nach Kastration

Die Kastration stellt für dein Kaninchen eine hohe Belastung dar, der Verlust der Geschlechtsorgane und die damit einhergehende Hormonumstellung muss verkraftet werden. Dies braucht ein wenig Zeit, in der dein Kaninchen manchmal einen etwas depressiven Eindruck macht.

Nach ein paar Wochen sollte sich dein Langohr aber von dem Eingriff komplett erholt haben und wieder fit und aktiv sein.

Winter-Blues

Diese saisonale Depression tritt beim Kaninchen in der Herbst- und Winterzeit auf und ist ähnlich wie beim Menschen auf den Serotonin-Mangel zurückzuführen: Fehlendes Sonnenlicht bei Hauskaninchen wirkt sich negativ auf ihre Stimmung aus.

Zusätzlich belastet der Wechsel des Winterfells ihren Organismus, sodass die kleinen Hoppler mitunter recht unglücklich erscheinen können, was sich aber spätestens im Frühjahr wieder geben sollte.

Ist dein Kaninchen depressiv oder traurig?

Oft bemerkst du auf den ersten Blick gar nicht, dass dein Kaninchen seelisches Leid empfindet.

Du musst genau hinschauen und es genau beobachten. Achte dabei auf folgende Anzeichen, sie deuten auf eine Depression hin:

  • Lethargie: Ein gesundes Kaninchen ist aktiv und bewegungsfreudig, besonders morgens und abends zeigt es eine schier endlose Energie. Ein depressives Tier dagegen hat wenig Lust zu spielen und rührt sich kaum vom Fleck.
  • Verstecken: Kranke, gestresste oder anderweitig traumatisierte Kaninchen verziehen sich am liebsten in eine ruhige, dunkle Ecke oder in ihr Häuschen. Sie möchten nichts mehr von der Welt um sie herum wissen und schotten sich regelrecht ab.
  • Asozialität: Normalerweise lieben es die kuscheligen Hoppler mit Artgenossen oder Menschen zu interagieren. Hat deine Fellnase kein Interesse an gemeinsamen Aktivitäten, so kann dies ein Zeichen für eine Depression sein.
  • Appetitlosigkeit: Eine der Hauptbeschäftigungen deines Kaninchens ist das Fressen, vor allen Dingen mit der Aufnahme von Heu sind die kleinen Mümmler Stunden beschäftigt. Bemerkst du, dass eines so gut wie gar nichts davon frisst und selbst besondere Leckereien verschmäht, sollten deine Alarmglocken läuten.
  • Unruhe: Manch ein Kaninchen zeigt eine gewisse Unruhe, klopft beispielsweise mit den Hinterpfoten auf den Boden oder bewegt sich nervös. Dieses Tier hat Angst, ist gestresst oder depressiv.
  • Exzessives Knabbern und Nagen: Dein Kaninchen verfügt von Natur aus über einen Nagetrieb, der auch dazu dient seine Zähne abzunutzen. Nimmt das Knabbern allerdings exzessive Züge an, deutet das auf ein psychisches Problem hin. Meist hat das betroffene Tier Langeweile und erfährt keine geistige Stimulation, sodass es auf diese Weise seine depressive Stimmung kompensiert.
  • Übertriebene Körperpflege: Dein kuscheliger Hoppler ist sehr reinlich und die Fellpflege hat eine hohe Priorität, jedoch ist Obacht geboten, wenn diese übertrieben wird. Wenn sogar schon kahle Stellen am Körper des Kaninchens zu sehen sind, musst du davon ausgehen, dass es gestresst oder traurig ist.
  • Haltung: Sieh dir die Körperhaltung deines Mümmlers genau an, hockt er mit fast geschlossenen Augen zusammengekauert da? Macht die gesamte Haltung einen eher unentspannten Eindruck auf dich? Sitzt er da wie das sprichwörtliche „Häufchen Elend?“

Wie kannst du dein Kaninchen aus einer Depression befreien?

Wenn du bei deinem Kaninchen Anzeichen einer Depression bemerkst, dann musst du der Ursache auf den Grund gehen und das Problem somit an der Wurzel bekämpfen.

Hier findest du hilfreiche Lösungsvorschläge:

1. Trauert dein Kaninchen um seinen verstorbenen Artgenossen, so gib ihm die nötige Zeit, diesen einschneidenden Vorfall zu verarbeiten. Beschäftige dich besonders liebevoll mit ihm, streichle es und biete ihm besondere Leckereien an, damit es nicht den Appetit verliert. Die langfristige Lösung kann hier jedoch nur die Anschaffung eines neuen Partners sein.

2. Bei der saisonalen Depression kannst du es deinem Hoppler in dieser Zeit einfacher und angenehmer machen, indem du ihm mehr Aufmerksamkeit schenkst. Während des anstrengenden Fellwechsels kannst du ihn jeden Tag bürsten und die toten Haare entfernen. Eventuell hilft deinem Tier auch eine spezielle Lichtquelle, die eine farbliche Nachahmung von Sonnenstrahlen bietet.

3. Kaninchen brauchen viel Platz, am besten ermöglichst du ihnen jeden Tag Freilauf. Neben körperlicher Auslastung (unter anderem Klettermöglichkeiten) benötigen die neugierigen Mümmler auch mentale Stimulation. Bringe ihnen Tricks bei, lass sie einen Hindernisparcours bewältigen oder verstecke ihr Futter, sodass sie ihre angeborenen Instinkte bei der Suche einsetzen können. Je mehr Beschäftigung du ihnen bietest, desto glücklicher sind deine Langohren. Deiner Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, lass deinen Ideen freien Lauf!

4. Falls dein Kaninchen depressiv ist, weil ihn eine Krankheit plagt, ist dies nicht so einfach festzustellen, da er als Beutetier von Natur aus versuchen wird, Schmerzen zu verbergen. So möchte er vermeiden, von Fressfeinden als schwach und wehrlos erkannt zu werden. Im Zweifelsfall gehe lieber mit ihm zum Tierarzt.

5. Wird eines deiner Kaninchen gemobbt, hilft leider nur die Separation des betroffenen Tieres. Um es aber nicht allein und einsam zu lassen, solltest du dich nach einem neuen und passenden Zuhause umschauen. In den entsprechenden Internet-Foren wirst du bestimmt schnell fündig.

Wenn du diese Tipps und Hinweise beherzigst, deinen Kaninchen viel Zeit und Abwechslung bietest, eine gesunde Ernährung bereitstellst und immer für sie da bist, werden die betroffenen Tiere ihre Depression schnell überwinden und die übrigen erst gar keine bekommen.

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