Hilfe: Mein Kaninchen knabbert am Käfig! Ursachen und bewährte Tipps

Wenn dein Kaninchen am Käfig nagt, solltest du Ursachenforschung betreiben, denn dieses Verhalten weist auf einen Missstand hin und sollte ernst genommen werden.

Zudem ist das Knabbern an Metall oder Kunststoff gefährlich für die Gesundheit.

Wir verraten dir in diesem Beitrag häufige Ursachen und geben dir unsere besten Tipps an die Hand, um das Knabbern sofort und dauerhaft zu eliminieren.

Los geht’s!

Mögliche Ursachen für das Knabbern

Kaninchen sind Nagetiere. Ebenso wie bei Hamstern und Meerschweinchen, Mäusen und Ratten wachsen daher die oberen und unteren Nagezähne lebenslang.

Angesichts dessen benötigen sie regelmäßig Raufutter, um die Zähne abzuwetzen.

Eine der häufigsten Ursachen ist daher fehlende, gesündere Nagemöglichkeiten.

Weitere Ursachen können sein:

  • Langeweile oder unzureichende Auslastung
  • Aufregung und Stress
  • Einsamkeit
  • Zwangsstörungen
  • Probleme im Bereich der Zähne oder des Zahnfleischs

Lass uns gemeinsam einen genaueren Blick auf diese Ursachen werfen…

#1: Langeweile und fehlende Auslastung

Bei einem sehr kleinen Käfig und fehlenden geeigneten Materialien zum Benagen kann dein Kaninchen die Stangen oder die Bodenschale aus Langeweile und Frustration anknabbern.

Geschieht das Nagen hauptsächlich während deiner Abwesenheit, ist das ein deutlicher Hinweis darauf.

Der Vorteil an dieser Ursache ist, dass sich sehr einfach eine Lösung finden lässt: Gib deinem Kaninchen Gegenstände in den Käfig, mit denen es sich beschäftigen uns seinen Nagetrieb stillen kann.

#2: Knabbern am Käfig durch Aufregung und Stress

Diese Ursachen können sowohl positiv als auch negativ sein.

Freut sich dein Kaninchen so sehr auf deine Ankunft, weil es dann Zuneigung, Freilauf und Leckereien bekommt, kann es sich förmlich durch die Gitterstäbe nagen wollen. Zum Teil spricht das Verhalten in diesem Fall also für ein zahmes und stark an dich gewöhntes Tier.

Ebenso kann es aber wiederum Langeweile und fehlende Beschäftigung während deiner Abwesenheit oder Stress sein, der sich für das Verhalten verantwortlich zeigt.

Du solltest in diesem Fall den Käfig und die Haltungsbedingungen überprüfen.

#3: Einsamkeit

Lange Zeit wurden Kaninchen meist allein gehalten, da sie vermeintliche Einzelgänger sind.

Das stimmt jedoch nicht!

Die Tiere leben gerne in Gruppen, sind sehr sozial, putzen sich gegenseitig und spielen miteinander.

Selbst bei der Haltung als Paar oder mit mehreren Tieren kann es jedoch vorkommen, dass die Kaninchen nicht miteinander auskommen und sich einsam fühlen, eher auf dich bezogen sind oder sich durch Konflikte mit anderen Tieren gestresst fühlen.

Letzteres ist meist nur dann der Fall, wenn nicht ausreichend Platz vorhanden ist und die Kaninchen sich nicht gegenseitig ausweichen oder sich zurückziehen können.

#4: Zwangsstörungen

Bei fehlender Auslastung und Bewegung oder Stress kann dein Kaninchen nicht nur gelegentlich an den Gitterstäben nagen. Stattdessen wird es so lange daran knabbern, dass es sich dabei sogar verletzen kann.

Ein Anzeichen für zwanghaftes Verhalten ist zum einen die Dauer der Handlung und zum anderen die Fixierung deines Kaninchens. Es lässt sich kaum davon ablenken und reagiert selbst auf verlockendes Futter nur schlecht.

Hat sich bereits eine Zwangsstörung eingeschlichen, ist diese meist nur durch viel Geduld wieder zu beseitigen und kann entsprechende Schutzmaßnahmen erfordern.

#5: Probleme im Bereich der Zähne oder des Zahnfleischs

Zahnschmerzen oder Zahnfleischentzündungen sowie Abszesse können dazu führen, dass dein Kaninchen ein gesteigertes Bedürfnis hat zu nagen und dabei auch die Bauteile des Käfigs nicht verschont bleiben.

Nicht nur angesichts dessen ist es wichtig, dass du die Zähne und den Mundbereich deines Tieres gründlich kontrollierst. Fallen dir hierbei Rötungen, Schwellungen oder Schäden an den Zähnen auf, ist ein Tierarztbesuch unabdingbar.

Achtung: Potenzielle Gefahren

Wenn dein Kaninchen an den Gitterstäben oder an der Kunststoff-Bodenschale nagt, erzeugt das nicht nur ein störendes Geräusch. Es birgt zudem auch einige Risiken und Gefahren.

Giftstoffe

Zu diesen Gefahren gehört an erster Stelle die Aufnahme von Stoffen, die abträglich für die Gesundheit sind.

Oftmals sind die Gitterstäbe ummantelt, sodass die Schutzschicht aus Kunststoff beim Nagen gefressen wird. Nagt dein Kaninchen neben den Stäben auch die Bodenschale an, können weitere Splitter des Materials verschluckt werden.

Dabei gelangen nicht nur Substanzen in den Körper, die für Erkrankungen sorgen können. Die Form der Splitter ist ebenfalls problematisch. Sie können die Mundschleimhaut verletzen, sich in die Speiseröhre bohren und Verletzungen in Magen oder Darm erzeugen.

Materialhärte

Eine weitere Gefahr stellt die Härte der Materialien dar.

Auch wenn Kaninchen darauf ausgelegt sind, Heu, Stroh und Holz zu zerkleinern, sind Metall und Kunststoff für sie zu hart.

Darunter leiden die Zähne – werden dabei aber nicht abgeschliffen.

Wahrscheinlicher ist es, dass sich Risse bilden oder die Zähne abbrechen. Durch die starke Belastung können zudem die Zahnwurzeln gereizt werden und sich entzünden.

Dasselbe gilt für das Zahnfleisch.

Der Druck durch Metall oder Kunststoff kann das Gewebe belasten und dadurch entzündliche Prozesse, Wunden, Infektionen und Schmerzen hervorrufen. Nicht zuletzt aus diesen Gründen solltest du den Mundbereich regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf einen Tierarzt aufsuchen.

Entwicklung von Zwangsstörungen

Hinzu kommt, dass Kaninchen, die beginnen an ungeeigneten Materialien beziehungsweise an den Grenzen ihres Käfigs zu nagen, Zwangsstörungen entwickeln können. Auf diese einzugehen und sie abzustellen gestaltet sich schwierig und erfordert meist längere Zeit.

Entscheidend ist daher, dass du so schnell wie möglich reagierst, die Ursache für das Nagen herausfindest und das Problem löst.

Das kannst du dagegen tun

In vielen Fällen helfen bereits zwei einfache Maßnahmen:

  1. Mehr Bewegungsmöglichkeiten
  2. Nagematerial sowie Raufutter

Tipp 1: Mehr Nagemöglichkeiten schaffen

Frische Zweige und Äste, hin und wieder ein getrockneter Maiskolben, sowie stets vorhandenes Heu und Stroh bieten deinem Tier Auswahl und gehören zu einer artgerechten Haltung. Sie sind zudem wichtig für die Gesundheit. Denn die Nagezähne können sich so auf sichere Weise abwetzen und Raufutter wird für die Verdauung benötigt.

Tipp 2: Sorge für mehr Bewegung

Ähnlich verhält es sich mit der Bewegung.

Kaninchen sind in der Natur sehr aktiv und können auf der Suche nach Nahrung viele Kilometer zurücklegen. Als Haustier müssen sie das nicht. Dennoch ist es empfehlenswert, möglichst viel Bewegung in den Alltag deines Tiers zu integrieren.

Leider sind die handelsüblichen Käfige selbst für ein einzeln gehaltenes Tier in der Regel viel zu klein. Die Kaninchen können darin nicht rennen, Haken schlagen oder springen. Wähle daher zum einen ein Modell mit einer möglichst großen Grundfläche, sodass die Tiere zumindest gut darin laufen können. Das kann auch Konflikten zwischen den Kaninchen vorbeugen, da sie mehr Platz haben um sich bei Bedarf aus dem Weg zu gehen.

Zum anderen sollte täglicher Freilauf möglich sein, bei dem sich die Kaninchen körperlich austoben können. Ideal ist es, wenn dir ein Garten zur Verfügung steht und hier ein größeres Freigehege aufgestellt werden kann.

Als Alternative oder zusätzlich kannst du Spaziergänge an der Leine üben.

Für die körperliche und geistige Auslastung bietet sich auch gemeinsamer Sport, wie Kanin-Hop, an. Trainieren kannst du sowohl drinnen als auch draußen und dabei die Bindung zwischen dir und deinem Tier stärken.

Hier ein Beispiel, wie das Aussehen könnte…

Tipp 3: Finde den richtigen Standort

Bei dem Nagen am Käfig aus Stress solltest du den Standort des Käfigs überdenken.

Kann dein Kaninchen nicht in Ruhe schlafen oder sich ausruhen, erschreckt es sich immer wieder durch laute Geräusche oder schnelle Bewegungen in der Umgebung, kann das abträglich für die Gesundheit sein und das Verhalten beeinflussen.

Tipp 4: Finde den richtigen Partner

Ist dein Kaninchen allein und knabbert aus Einsamkeit an dem Käfig, solltest du über ein weiteres Tier nachdenken. Bedenke dabei, dass die Gewöhnung Geduld und Zeit erfordert und schrittweise erfolgen sollte.

Zudem ist ein größerer Käfig notwendig.

Ein abschließender Ratschlag

Knabbert das Kaninchen trotz all dieser Maßnahmen und Versuche weiterhin an den Gitterstäben oder anderen Elementen des Käfigs, solltest du zu seiner Sicherheit über einen Wechsel der Unterkunft nachdenken.

Möglich wäre es beispielsweise, Plexiglas-Scheiben anzubringen und somit direkten Kontakt zu den Stäben zu verhindern.

Ein Kaninchenheim aus Holz und Plexiglas ist eine weitere Option.

Die Vorteile hieran sind nicht nur, dass es keine Gitter gibt. Es ist auch optisch ansprechend, kann hell und offen gestaltet sein sowie mehrere Etagen aufweisen.

Varianten für die Wohnung lassen sich sogar farblich anpassen, sodass sie unter anderem problemlos im Wohnzimmer stehen können.

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