Sind Kaninchen nachtragend? Inkl. 6. Tipps für eine gute Bindung

Obwohl wir uns alle schon einmal mehr oder weniger intensiv mit Kaninchen auseinandergesetzt haben, wissen nur wenige Menschen die Antwort auf die Frage, ob Kaninchen eigentlich nachtragend sind.

Können sie sauer werden?

Können sie überhaupt dazu in der Lage sein, Gefühle zu empfinden?

Wir liefern in diesem Beitrag die Antworten auf deine Fragen und geben dir bewährte Tipps an die Hand, um die Gefühlswelt deiner Kaninchen zu verstehen und positiv zu beeinflussen.

Los geht’s!

Sind Kaninchen nachtragend?

Das Wichtigste zuerst: Nein, Kaninchen sind nicht nachtragend.

Allerdings sind die Tiere durchaus in der Lage, Erfahrungen – sowohl positiv als auch negativ – abzuspeichern und diese Erinnerungen in ähnlichen Situationen abzurufen. Dadurch verhalten sie sich nach bestem Wissen der Situation angemessen.

Aber nachtragend im eigentlichen Sinne sind Kaninchen nicht.

Betrittst du bspw. das Gehege deiner Kaninchen, um ihnen frisches Futter zu bringen, so werden sich deine Kaninchen bereits nach kurzer Zeit über deinen Besuch – oder viel mehr das damit verbundene Futter – freuen. Sie verknüpfen deine Anwesenheit also mit einer positiven Erfahrung: Mensch kommt = Futter kommt.

Kommst du nun ein paar Mal ohne Futter und versuchst vielleicht sogar, nach deinen Kaninchen von oben herab zu greifen und diese hochzunehmen (was Kaninchen überhaupt nicht mögen) – so werden sich deine Kaninchen vermutlich in Zukunft verstecken, wenn sie dich kommen sehen.

Mensch kommt = Gefahr.

Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass sie etwas gegen dich als Person haben, sondern vielmehr damit, dass sie dein Verhalten als bedrohlich einstufe und dich daher nicht (mehr) einschätzen können – und Vorsicht ist ja bekanntlich besser als Nachsicht!

Dein Kaninchen verzeiht dir also durchaus Fehler, die du machst, verknüpft dein Verhalten zeitgleich aber auch immer mit positiven oder negativen Erfahrungen und passt sein Verhalten diesen Erfahrungen immer wieder neu an.

Können Kaninchen Gefühle empfinden?

Selbstverständlich sind Kaninchen dazu in der Lage, Gefühle zu empfinden!

Deine Kaninchen haben ein ebenso breites Gefühlsspektrum wie wir Menschen, das von Wohlfühlen bis zur Depression reichen kann. So können sie ebenfalls gestresst, ängstlich, fröhlich, entspannt, traurig, aber auch wütend bzw. sauer sein.

Um ihre Stimmung wechseln zu können, benötigen die Tiere jedoch immer einen Auslöser. Im Vergleich zu uns Menschen sind Kaninchen nicht dazu in der Lage, ihre Stimmung von innen heraus selbst zu verändern.

Kaninchen sind also in der Lage, Gefühle zu empfinden, können diese allerdings nicht eigenständig regulieren.

Um ihre Gefühle regulieren zu können, brauchen sie daher ihre Artgenossen oder dich. Du kannst aktiv auf die Gefühlswelt deiner Kaninchen Einfluss nehmen, indem du deine Kaninchen gezielt konditionierst.

Wie genau eine solche Konditionierung ablaufen kann, zeigen wir dir gleich im übernächsten Kapitel.

Zunächst werfen wir einen kurzen Blick auf eine weitere wichtige Frage…

Warum Gefühle für soziale Wesen wichtig sind

Es ist schlichtweg überlebensnotwendig, dass deine Kaninchen Gefühle empfinden können.

Andernfalls wären sie nicht in der Lage dazu, adäquat auf Gefahren zu reagieren und wären daher ein gefundenes Fressen für alle pelzigen Jäger. Ist es einem Kaninchen aber möglich bspw. Angst zu empfinden, so kann es nicht nur rechtzeitig die Flucht ergreifen, sondern auch das restliche Rudel von der drohenden Gefahr in Kenntnis setzen.

Vor Gefahren warnen Kaninchen übrigens, indem sie sich auf die Hinterbeine stellen und mit diesen durch kleine, schnelle Sprünge auf den Boden trommeln.

Konditionierung bei Kaninchen – so geht’s!

Bevor wir mit der Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Konditionierung deines Kaninchens starten, ist es wichtig zu verstehen, dass du nicht nur positive, sondern auch negative Verknüpfungen herstellen kannst.

Sei also vorsichtig und achte stets auf die Körpersprache deiner Tiere, um sicherzugehen, dass du wirklich rein positive Verknüpfungen erschaffst.

So, nun geht’s aber wirklich los!

1. Zielsetzung

Überlege dir zuallererst, was du mit der Konditionierung erreichen möchtest. Hast du bspw. ein Kaninchen, das sehr unruhig und ständig auf Achse ist, so könnte dein Ziel die konditionierte Entspannung sein.

Was bedeutet das?

Nun ja, du konditionierst dein Kaninchen so, dass du gezielt einen bestimmten Reiz setzen kannst, auf den sich dein Kaninchen augenblicklich entspannt.

2. Welchen Reiz möchtest du nutzen?

Ebenso wichtig wie die Gedanken zur Zielsetzung selbst sind auch die Gedanken hinsichtlich der Umsetzung.

Welchen Reiz möchtest du für die Konditionierung verwenden?

Wenn wir beim Beispiel mit der konditionierten Entspannung bleiben, so könntest du hier eine bestimmte Melodie verwenden. Dein Ziel ist es also, dein Kaninchen so zu konditionieren, dass es sich entspannt, sobald es die Melodie hört.

3. Setze dein Vorhaben in die Tat um

Der Trick bei der Konditionierung ist es, die Momente einzufangen, in denen dein Tier das gewünschte Verhalten bereits zeigt und diese mit dem von dir ausgewählten Reiz zu unterlegen.

Beobachtest du dein Kaninchen dabei, dass es entspannt im Gehege liegt, so ist das der ideale Zeitpunkt, um deine Melodie abzuspielen.

Achtung: Spiele die Melodie nur so lange ab, wie dein Kaninchen auch wirklich entspannt ist! Nur so wird dein Kaninchen die Melodie mit der Entspannung verknüpfen.

4. Gut Ding will Weile haben

Die Konditionierung wird einiges an Zeit in Anspruch nehmen.

Es kann gut sein, dass du ca. 100 Wiederholungen benötigst, bis das Reiz-Reaktions-Schema im Gehirn deines Kaninchens gefestigt und gezielt abrufbar ist.

Daher solltest du auch einige Zeit abwarten, bevor du überprüfst, ob sich dein Kaninchen durch das Abspielen der Melodie bereits entspannen kann.

Je öfter du Tests durchführst, die nicht funktionieren, desto schwerer wird es, die Melodie mit der Entspannung zu verknüpfen – denn es tritt ja nicht immer die Entspannung in diesem Zusammenhang auf.

Ist mein Kaninchen sauer auf mich?

Kaninchen sind, wie du nun bereits gelernt hast, nicht nachtragend.

Da sie stets im Hier und Jetzt leben, können sie also auch nicht nachhaltig sauer auf dich sein. Allerdings kann es sein, dass dein Kaninchen dich aufgrund gewisser Verhaltensweisen als gefährlich einstuft und beginnt, dich zu meiden.

Sitzt du bspw. bei deinen Kaninchen im Außengehege und fütterst sie aus der Hand, so kann es ausreichend sein, dass du mit der anderen Hand wild fuchtelnd eine Stechmücke verscheuchen möchtest. Dein Kaninchen kann dieses Verhalten nicht einschätzen und wird höchstwahrscheinlich mit Flucht reagieren.

Das ist jedoch ein völlig normales, instinktgesteuertes Verhalten und hat nicht damit zu tun, dass dein Kaninchen sauer auf dich ist. Allerdings kann es sehr wohl einen gewissen Groll gegen dich hegen, wenn du deinem Kaninchen z. B. immer wieder das Futter wegziehst, wenn es hineinbeißen möchte.

Dieser Frust bzw. in manchen Fällen vielleicht sogar schon Wut, ist aber auch direkt wieder verflogen, wenn du aufhörst, deinem Tier das Futter unter der Nase wegzuklauen.

Ein Zeichen dafür, dass dein Kaninchen dich gerne hat ist übrigens das Ablecken deiner Hand. Dieses Verhalten ist an die Fellpflege zwischen Artgenossen angelehnt und zeigt daher, dass dich dein Kaninchen vollumfänglich akzeptiert und sich in deiner Gegenwart sicher und geborgen fühlt – Glückwunsch, du hast bisher alles richtig gemacht!

6 Tipps für eine gute Bindung zu deinen Kaninchen

Welcher Kaninchenbesitzer möchte nicht von seinen Tieren geliebt werden?

Hier findest du nun 6 Tipps, die dir dabei helfen werden, eine gute Bindung zu deinen Kaninchen aufbauen zu können.

1. Verhalte dich vorhersehbar

Deine Kaninchen als Fluchttiere werden es von ganzem Herzen zu schätzen wissen, wenn du dich für sie stets vorhersehbar verhältst.

Das bedeutet im Klartext, dass du auf deine Körpersprache achtest, indem du dich nicht von oben über die Tiere beugst, hektische Bewegungen vermeidest und stets mit ruhiger Stimme zu deinen Tieren sprichst.

2. Nutze die Bestechlichkeit aus

Liebe geht bekanntlich durch den Magen – nutze diese Tatsache aus, um dich ganz bewusst bei deinen flauschigen Mitbewohnern beliebt zu machen. Hin und wieder ein Möhrchen oder andere Leckereien können Wunder bewirken, um deine Kaninchen zahm werden zu lassen.

Aber Achtung: Kaninchen sind KEINE Fleischfresser.

3. Halte deine Tiere artgerecht

Nur, wenn deine Tiere all ihre Bedürfnisse erfüllen können, wirst du entspannte und ausgeglichene Zeitgenossen im Gehege vorfinden. Achte daher darauf, dass du deinen Kaninchen ausreichend Platz, Futter, Wasser, Artgenossen, usw. anbietest.

Tipp: Kaninchen sind gute Kletterer. Biete auch hierfür Möglichkeiten an.

4. Gehe auf ihre Bedürfnisse ein

Helfe deinen Tieren, wenn du bemerkst, dass etwas nicht stimmt. Herrscht gerade Streit im Gehege, der auszuarten droht, so kannst du deine Tiere bspw. eine Zeit lang separieren bis sich die Gemüter wieder beruhigt haben.

Deine Tiere lernen so, dass du für ihre Sicherheit und ihr Wohlergehen sorgst und werden dich mit einem Stück ihres Vertrauens belohnen.

5. Erzwinge nichts

Du möchtest dein Kaninchen streicheln, aber dein Kaninchen hat gerade so gar keine Lust auf Streicheleinheiten?

Dann akzeptiere das!

Das Fundament einer jeden Freundschaft ist gegenseitiger Respekt. Nur so kann das Vertrauen zwischen euch wachsen und ein Gefühl der Sicherheit entstehen.

6. Schraube deine Erwartungen herunter

Einfach mal die Seele baumeln lassen und gemeinsam eine entspannte Zeit genießen!

Genau darum geht es bei einer guten Freundschaft. Setze dich daher einfach ein paar Minuten pro Tag zu deinen Kaninchen und beobachte sie einfach nur, ohne etwas von ihnen zu verlangen.

Du wirst schnell feststellen, wie dieses Verhalten die Beziehung zu deinen Tieren nachhaltig verändern wird – im positiven Sinne!

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