Dürfen Kaninchen Fleisch fressen? Häufige Ernährungsfehler und Tipps

Für das geliebte Haustier wollen alle immer nur das Beste. Doch was das Beste ist, scheint manchmal gar nicht so offensichtlich.

Zu einer artgerechten Kaninchenhaltung gehört neben einem großräumigen Stall und mindestens einem Partnertier auch die richtige Fütterung.

Und hier kommen wir auch gleich zur eigentlichen Frage: Dürfen Kaninchen eigentlich Fleisch fressen?

In diesem Artikel findest du eine ausführliche Antwort!

Sind Kaninchen Fleischfresser?

Kaninchen sind von Natur aus Veganer.

Sie ernähren sich also rein pflanzlich und bevorzugen Heu, Gräser, diverse Gemüsesorten und das ein oder andere Obststück als kleinen Nachtisch.

Hiermit ist die Frage, ob Kaninchen Fleischfresser sind, auch schon beantwortet: Nein, das sind sie nicht!

Möchtest du dir Kaninchen anschaffen oder besitzt sogar schon mehrere dieser flauschigen Exemplare, dann solltest du dir diesen Artikel genauestens durchlesen.

Denn obwohl Kaninchen von Natur aus keine Fleischfresser sind, kann es dennoch dazu kommen, dass Kaninchen (unfreiwillig) Fleisch zu sich nehmen.

Wie dieses Verhalten zustande kommt und warum es so gefährlich für deine Kaninchen ist, Fleisch zu fressen, damit beschäftigen wir uns nun en détail.

Die Besonderheiten der Verdauung

Die Verdauung weist bei Kaninchen im Vergleich zu anderen Tieren und auch uns Menschen einige Besonderheiten auf, die du dir bewusstmachen solltest.

Da Kaninchen von Natur aus Veganer sind, ist das komplette Verdauungssystem auf die Verwertung von pflanzlicher Nahrung ausgelegt.

Auffällig ist hier vor allen Dingen der lange Darmtrakt, in dem die Nahrung recht lange verweilt. Und hier kommen wir auch direkt zu einem großen Problem: Da die Verdauung bei Kaninchen recht langsam ist, wirkt sich das Fressen von Fleisch fatal auf das ganze System aus.

Das Fleisch verweilt viel zu lange im Darm und führt dadurch zu großen Problemen.

Kaninchen fressen den ganzen Tag über immer wieder kleine Portionen, wodurch es zu einer stetigen Nahrungszufuhr kommt. Dieses Verhalten ist völlig normal, denn darauf ist die Verdauung der Tiere ausgelegt.

Allerdings gibt es hier eine große Besonderheit: Kaninchen sind nicht in der Lage aufzustoßen oder sich zu erbrechen!

Das bedeutet, dass alles, was von den Kaninchen geschluckt wird, ein Mal durchs ganze Verdauungssystem wandern muss, um wieder ausgeschiedenen werden zu können.

Verweilt nun schwer verdauliches Futter, wie bspw. Fleisch, zu lange in Magen und Darm, so frisst das Tier weniger. Das Fleisch verdirbt während der Verdauung. Hierdurch bilden sich Giftstoffe und Gase.

Diese Gase können schnell zu äußerst schmerzhaften Koliken führen.

Als Folge dessen verweigert das Kaninchen die Nahrungsaufnahme, was die Problematik noch einmal verschlimmert. Hier hilft nur der Gang zum Tierarzt! Andernfalls besteht für das Kaninchen schnell akute Lebensgefahr.

Die Folgen einer fehlerhaften Fütterung

Aufgrund von Unwissenheit im Bereich der artgerechten Fütterung von Kaninchen kann es schnell zu lebensbedrohlichen Situationen für die Fellknäuel kommen.

Eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik ist daher unerlässlich, wenn dir die Gesundheit deiner Tiere am Herzen liegt.

Hier findest du nun eine Liste mit den häufigsten Fütterungsfehlern, die du unbedingt vermeiden solltest:

1. Pellets

Viele Menschen wollen ihren Kaninchen etwas Gutes tun und bieten ihnen rund um die Uhr Futter in Form von Pellets an.

An sich ist dieser Grundgedanke nicht verkehrt, denn eine 24-Stunde-Futtermöglichkeit ist für die Tiere wichtig. Dennoch ist von einer Fütterung mit Pellets unbedingt abzuraten!

Warum?

Das ist schnell erklärt.

Pellets sind Trockenfutter. Die Problematik bei Trockenfutter besteht darin, dass dieses aufquillt, sobald es mit Flüssigkeit in Kontakt kommt. Frisst sich dein Kaninchen also mit Pellets satt, so ist der Magen erst einmal gefüllt.

Die Magensäure oder auch aufgenommenes Wasser sorgen nun dafür, dass die Pellets im Magen aufquellen. Hier passiert es nicht selten, dass die Pellets nach dem Quellen das drei- bis fünffache Volumen erreicht haben.

Infolgedessen kommt es zu einer Magenüberladung.

Der Kaninchenmagen ist überfüllt, die Pellets können nicht schnell genug weitertransportiert werden und das Unheil nimmt seinen Lauf: Da die Magenwände bei Kaninchen relativ dünn sind, können diese schnell einreisen! Da die Pellets erst aus dem Magen geleitet werden, nachdem diese durchfeuchtet sind, verweilt das Futter trotz Überladung weiterhin im Magen.

Hier ist Eile geboten!

Nur der Tierarzt kann deinem Tier bei einer Magenüberladung helfen und das Schlimmste – den Tod des Tieres – verhindern.

Übrigens: Auch die als gesund angepriesenen Pellets ohne Getreide quellen auf! Am besten ist es, wenn du ganz auf die Fütterung von Pellets und anderem Trockenfutter verzichtest und auf frisches Grünzeug und Gemüse zurückgreifst.

2. Menschliches Essen

Du hast noch Reste vom Frühstück, Mittag- oder Abendessen?

Dann verfüttere diese Reste bitte nicht an deine Kaninchen, sondern verwerte sie anderweitig!

Zwar mag es im ersten Moment für dich lustig aussehen, wenn dein Kaninchen sich wie wild über das panierte Schnitzel hermacht, allerdings kann dieser Spaß auch sehr schnell in Ernst umschlagen!

Hier kommen gleich zwei Faktoren zusammen:

  • Kaninchen dürfen aus oben genannten Gründen kein Fleisch fressen
  • Die Gewürze reizen den Verdauungstrakt zusätzlich

Wenn dir etwas an der Gesundheit deiner haarigen Mitbewohner liegt, dann verzichtest du also besser auf diese Art von Späßen und fütterst deine Kaninchen nur mit Futter, auf das ihr Verdauungstrakt auch ausgelegt ist.

3. Fütterungszeit

Idealerweise haben deine Kaninchen rund um die Uhr Futter zur freien Verfügung.

Möchtest du jedoch lieber feste Fütterungszeiten einführen, so sollten diese Zeiten gut bedacht sein. Fütterst du nur morgens und abends, so werden sich deine Kaninchen mit leerem Magen auf das Futter stürzen und schlingen alles herunter, bis sie im wahrsten Sinne des Wortes kurz vor dem Platzen sind.

Um diese Fressattacken zu verhindern, empfiehlt es sich, mehrmals am Tag kleinere Portionen anzubieten oder doch auf die 24-Stunden-Fütterung umzustellen.

Egal, wie du dich entscheidest, solltest du eins wissen: Heu ist unerlässlich und sollte deinen Kaninchen in jedem Fall 24 Stunden pro Tag zum Knabbern zur Verfügung stehen. Durch das Knabbern von Heu sind deine Kaninchen nicht nur beschäftigt und können ihren Magen ein wenig füllen, sondern reiben hier auch ein Stück weit ihre Zähne ab, die von Natur aus nie aufhören zu wachsen.

Außerdem bauen sich die Tiere mithilfe des Heus gerne ein kuscheliges Nest, in dem sie sich so richtig wohlfühlen.

Eine häufig unterschätzte Gefahr: Die Schlundverstopfung

Kaninchen verlieren – je nach Jahreszeit – mal mehr und mal weniger Fell.

Da sich die Tiere gerne ausgiebig putzen, kann es passieren, dass das ein oder andere Haarknäuel verschluckt wird. Da das Fell nicht verdaut werden kann und im Verdauungstrakt festhängt, kommt es häufig zu einer lebensbedrohlichen Schlundverstopfung.

Sitzt dein Kaninchen apathisch in einer Ecke, krümmt sich vielleicht sogar schon vor Schmerzen und verweigert die Nahrungsaufnahme und setzt keinen Kot mehr ab, so sind das recht sichere Anzeichen für eine Schlundverstopfung oder zumindest starke Koliken.

Du kannst bei einer leichten Verstopfung versuchen, den Bauch deines Kaninchens zu massieren. Sollte sich das Fellknäuel nicht lösen, solltest du schleunigst einen Tierarzt aufsuchen, um deinem Kaninchen das Leben zu retten.

Die Schlundverstopfung kann im Übrigen auch durch quellende Pellets und Fleischstücke hervorgerufen werden – ein Grund mehr, die Fütterung von Fleisch zu unterlassen.

Ist Fleisch für Kaninchen denn nun immer lebensgefährlich?

Auch hier trifft der Spruch ‚die Menge macht das Gift‘ genau ins Schwarze.

Möchtest du deinen Kaninchen ein besonders artgerechtes Leben ermöglichen und hältst die Tiere in einem Auslauf im Garten, so wirst du nicht verhindern können, dass die Kaninchen das ein oder andere kleine Getier mitfressen.

Allerdings macht es einen großen Unterschied, ob dein Kaninchen eine kleine Mücke bzw. eine Ameise verschluckt oder ob es ein festes und recht großes Stück Rindfleisch verspeist, das noch dazu mit Gewürzen versehen ist.

Ein kleiner fleischiger Snack lässt sich daher nicht gänzlich verhindern, eine gezielte Fütterung mit Fleisch hingegen schon.

Im Großen und Ganzen lässt sich also sagen, dass es nicht weiter gefährlich ist, wenn deine Tiere im Garten kleinere Insekten verspeisen. Dennoch solltest du deine Kaninchen genau beobachten und ihr Wohlbefinden täglich kontrollieren.

Hast du das Gefühl, dass dein Kaninchen sich anders verhält als sonst, so solltest du vorsorglich zum Tierarzt gehen – besonders dann, wenn es die Nahrungsaufnahme verweigert, aufgebläht wirkt und keinen Kot absetzt.

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