Können Wellensittiche ADHS haben? Das kannst du gegen hyperaktive Wellis tun

Der Wellensittich ist von Natur aus ein sehr aktives Kerlchen. Unentwegtes Herumtoben zählt jedoch nicht zu seinen üblichen Verhaltensweisen.

Es ist also ein Warnsignal, das in seltensten Fällen auf medizinische Ursachen zurückgeht, wenn dein Welli auffallend hyperaktiv zu sein scheint.

Der nun folgende Beitrag verschafft dir einen detaillierten Einblick in seine Gedankenwelt und beinhaltet nützliche Tipps zum Umgang mit umtriebigen Wellensittichen.

Das Powerhouse der Heimvögel

Das Herz des Wellensittichs schlägt bis zu 600-mal in der Minute. Da kann kein noch so gut trainierter Hochleistungssportler mithalten.

Ihr Atmungssystem sucht selbst in der Vogelwelt seinesgleichen und verwendet Luftsäcke zwischen den Lungen, um die Flugeigenschaften zu verbessern. Das geht mit erhöhtem Sauerstoffbedarf einher, weshalb der Raum, indem Du die Wellensittiche hältst, immer gut gelüftet werden muss.

Die Energie muss regelmäßig abgebaut werden: Deine Wellensittiche benötigen täglich mindestens 9 Stunden Freiflug, bei dem sie Spitzengeschwindigkeiten von 120 km/h erzielen.

Wenn einer der Vögel wie angezündet über den Boden der Voliere rast, ist dies ein klares Anzeichen dafür, dass er raus will. Erhält er seinen Willen nicht, greift er zunächst die Einrichtungsgegenstände und später auch seine Schwarmmitglieder an.

Würdest Du gerne in einem Sarg essen und schlafen?

Für Wellensittiche fühlen sich beengte Behausungen ganz genau so an. Achte also darauf, dass die Voliere pro Pärchen über mindestens 0,72 m³ Rauminhalt verfügt. Sowie aufs weitere Verhalten: Ein Sittich, der ständig an den Käfigwänden hockt und dort an den Gitterstäben nagt, ist mit dem Platzangebot definitiv nicht einverstanden.

So beschäftigst du deinen Wellensittich richtig

Manchmal weigern sich Deine Schützlinge scheinbar grundlos, den Frieden im Haus zu bewahren. Dies hat allerdings nichts mit dem menschlichen Krankheitsbild ADHS zu tun, das durch fehlerhafte Verschaltungen zwischen den Nervenzellen hervorgerufen wird.

Der Sehnerv des Wellensittichs verarbeitet 150 Bilder/Sekunde und damit zehnmal so viel wie das menschliche Auge. Daher hat er ganz einfach eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne und freut sich über folgendes Spielzeug:

  • Weidenbällchen: Wellensittiche haben einen Heidenspaß daran, Sachen zu zerrupfen. In Zoohandlungen kannst Du extra für diesen Zweck hergestellte Utensilien kaufen. Die Bällchen eignen sich besonders gut zur Beschäftigung, weil Du Futter darin verbergen kannst, das die Sittiche mühsam erobern müssen.
  • Korkröhren: Vor allem die Hennen knabbern unentwegt Gegenstände an. Sie folgen dabei ihrem Nestbautrieb, den Du unterstützen kannst, indem Du natürliche Materialien wie Kork oder Baumwollprodukte auslegst. Objekte in Röhrenform sind sehr beliebt, weil sie sich für das nie langweilig werdende Such-mich-doch-Spiel eignen.
  • Kletterbaum: Besorge Dir im Baumarkt eine raumhohe Rundstange aus Holz, befestige stabile Abschlussplatten und bring reichlich Sitzstangen an – fertig ist das Grundgerüst des vogeleigenen Abenteuerspielplatzes. Bei der individuellen Bestückung sind Deiner Fantasie quasi keine Grenzen gesetzt. Empfehlenswert sind Leitern, Schaukeln und Landeplattformen.
  • Pappe: Einweggeschirr ist für jeden Wellensittich unwiderstehlich. Es sieht irgendwie abstrakt aus und muss vernichtet werden. Innerhalb weniger Minuten wirst Du für Nachschub sorgen müssen. Das Material eignet sich daher auch gut als Inhaltsbestandteil der obligatorischen „Wühlkiste“.

Objekte in naturbelassenen Farben wirken grundsätzlich anziehender als buntes Plastikspielzeug.

Voliere oder Swingerclub?

Beim Balzverhalten machen Wellensittiche keine Gefangenen: Ein Hahn hält sich prinzipiell 2 – 3 Hennen warm, die wiederum mit Jedem turteln, der ihnen Futter offeriert. Die Nummer artet zum Problem aus, wenn sich die Männchen ihre Gespielinnen gegenseitig ausspannen wollen: Rabiate Kämpfe um die Hackordnung sind dann an der Tagesordnung und verwandeln die Voliere in ein Tollhaus.

Tipp: Wie du sofort erkennst, wenn sich Wellensittiche nicht verstehen, erfährst du hier.

Jetzt musst Du sehr umsichtig vorgehen. Trenne zunächst die Streithähne voneinander, indem Du sie vorübergehend an unterschiedlichen Schlafplätzen unterbringst. Dies dient dazu, das Binnenverhältnis des Schwarms zu normalisieren. Wenn auf die Art keine Harmonie einkehrt, musst Du den Schwarm um ein Pärchen vergrößern, das sich ungefähr im selben Alter wie Deine Wellensittiche befindet.

Die Weibchen sind in der Regel der passive Part beim Anbändeln. Wenn sich dann doch mal zwei Hennen für einen devoten Herrn der Schöpfung interessieren, musst Du sein Gewicht im Auge behalten, da die Damen ihn fortwährend füttern werden. Hole einen weiteren Hahn in die Gruppe, wenn sich die Situation nicht in Wohlgefallen auflöst.

Sexsüchtige Wellensittiche – gibt es das?

Wilde Schwärme leben in Australien als Nomaden. Sie haben kein festes Revier und ziehen dorthin, wo sie Futter, Wasser und Nistplätze vorfinden. Wenn es in einem Gebiet reichlich davon gibt, setzt automatisch der Bruttrieb ein. Demzufolge können sie das gesamte Jahr über brüten, solange die örtlichen Bedingungen stimmen.

Genau das trifft auf Deine Wohnung zu. Daher ist sexuelle Hyperaktivität unter hierzulande lebenden Wellensittichen ein weit verbreitetes Phänomen. 50 Paarungsakte pro Tag sind keine Seltenheit, was für die Vögel sehr stressig werden kann, wenn das hormonelle Gleichgewicht in der Gruppe aus dem Takt gerät.

Es sind zumeist die Männchen, welche ihre Partnerinnen überfordern. Sie greifen dann zu immer plumperen Annäherungsversuchen und nehmen die Henne schlussendlich mit Gewalt. Aufgrund der zahlreichen Paarungen ist die Kloake der Vögel zumeist wund gescheuert. Kontaktiere in diesem Fall einen vogelkundigen Tierarzt, der Dir besonders schonende Salben empfehlen kann.
Um der Situation Herr zu werden, musst Du die Wellensittiche zunächst voneinander trennen. Das dient nicht zuletzt dem Zweck, im Hormonrausch geführte Kämpfe zu unterbinden. Damit ist aber nur der erste Schritt getan, weil die separate Haltung zu exzessiver Masturbation (Hähne) bzw. zum Legezwang (Hennen) führt.

So verordnest Du Enthaltsamkeit

Daher musst Du den Bruttrieb der Tiere über die Verknappung des Nahrungsmittelangebots steuern. Das soll nicht bedeuten, dass Du sie hungern lässt oder nährstoffarme Kost verabreichst. Reduziere das Futterangebot in Absprache mit Deinem Tierarzt lediglich auf das zum gesunden Überleben erforderliche Mindestmaß.

Entferne im Anschluss die Nistgelegenheiten aus der Voliere. Wellensittiche sind im Gegensatz zu den meisten Vogelarten keine Höhlenschläfer und werden die Elemente im Alltag nicht vermissen. Es sei denn, die Eiablage hat bereits begonnen. Nimmst Du den Hennen dann die Nistplätze, kann sich bei ihnen Legenot entwickeln, die zuweilen tödlich endet.

Der Hormonspiegel der Wellensittiche ist eine Folge der Tageslänge: Je mehr Sonnenlicht, umso stärker steigt das Paarungsverlangen. In Deiner Wohnung brennt auch im Winter nach Sonnenuntergang künstliches Licht. Sorge also dafür, dass die Vögel ihre Nachtruhe (10 – 12 Stunden) in völliger Dunkelheit verbringen. Dann bessert sich die Situation zumeist innerhalb weniger Tage.

Die 4 wichtigsten Tipps bei hyperaktivem Verhalten

Wie Du siehst, bist Du nicht der erste entnervte Vogelbesitzer, der massive Schwierigkeiten mit ADHS-artigem Verhalten hat. Du musst Dir nur immer darüber im Klaren sein, dass die Tiere Dich nicht absichtlich ärgern. Es die einzige Möglichkeit, wie sie Dich auf Missstände hinweisen können. Wenn Du Dich bei der Fehlersuche an den folgenden Regeln orientierst, kommst Du dem Problem schnell auf die Spur:

1. Nahrungsangebot überprüfen: In der Natur verbringen Wellensittiche den Löwenanteil des Tages mit Futtersuche. Wenn sie nach der morgendlichen Fütterung bereits satt sind, wissen sie nicht, was sie mit der restlichen Zeit anfangen sollen. Lass ihnen also über den Tag verteilt mehrere kleine Portionen zukommen.

2. Kämpfe unterbinden: Die Vögel weisen eine recht ordentliche Grundaggressivität auf. In der Voliere hat der unterlegene Kontrahent keine Fluchtmöglichkeit. Isoliere die Problemkinder daher zunächst, bevor Du dauerhafte Gegenmaßnahmen ergreifst.

3. Empathisches Vorgehen: Tiere wissen instinktiv, was gut für sie ist. Beobachte ihre Reaktionen und erfülle ihre wichtigsten Bedürfnisse. Auch aus dem Sozialverhalten untereinander kannst Du viel lernen.

4. Fehlinterpretationen ausschließen: Hyperaktivität kann viele Ursachen haben. Nimm Dir genügend Zeit, um alle potentiellen Fehlerquellen zu ergründen. So tollen Wellensittiche u.a. auch durch die Wohnung, wenn Du alles richtig machst. Sie bringen damit ihre Freude zum Ausdruck. Nur ist ihr Verhalten dann nicht destruktiver Natur.

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