Sind Pferde nachtragend? Das ist die Wahrheit!

Pferde sind nicht im menschlichen Sinne nachtragend.

Sie können aber durchaus negative Erfahrungen haben und diese mit Aktionen verknüpfen.  

Warum das im Umgang mit den Tieren eine entscheidende Rolle spielt, klären wir in den folgenden Abschnitten.

In diesem Artikel erfährst du, warum Pferde nicht nachtragend sind, aber dennoch negativ konditioniert sein können. Für die Haltung, Pflege und das Reiten sind das ausschlaggebende Faktoren.

Lies daher weiter, damit du dein Pferd noch besser verstehen kannst.

Was bedeutet „nachtragend“ bei Pferden?

Menschen werden als „nachtragend“ bezeichnet, wenn sie längere Zeit nicht verzeihen können.

Sie tragen jemandem also etwas nach, werfen es dieser Person immer wieder vor und rächen sich vielleicht sogar.

Der Begriff wird häufig abwertend verwendet.

Bei genauerer Betrachtung wird aber klar, dass ein Mensch verletzt wurde und dies noch nicht verarbeitet hat. Eine schwere (emotionale) Verletzung zu vergeben oder zu verzeihen ist nicht einfach.

Das gilt insbesondere dann, wenn sich der Verursacher nicht entschuldigt und an der Verbesserung seines Verhaltens arbeitet.

Zwischen Menschen und Pferde gibt es in diesem Bereich zahlreiche Parallelen. Wirklich nachtragend sind Pferde jedoch nicht.

Sie gehen mit falschen oder negativen Verknüpfungen jedoch anders um.

Wie sich das auswirkt, erklären wir dir weiter unten.

Warum sind Pferde nicht nachtragend?

Pferde kennen keine emotionalen Verletzungen durch eine Beleidigung oder eine abwertende Bemerkung.

Sie agieren und reagieren deutlich situativer als Menschen und wollen sich auch nicht rächen, indem sie ebenfalls beleidigend oder mit Absicht stur sind.

Sie wollen die Verletzung also nicht zurückgeben, um sich damit selbst besser zu fühlen.

Was aber gegeben ist, sind selbstverständlich Erfahrungen und Verknüpfungen.

Sammelt ein Pferd mit Menschen immer wieder negative Erfahrungen, weil diese zu grob mit ihm umgehen, laut sind oder ihm sogar Schmerzen zufügen, entwickelt es verständlicherweise eine Abneigung.

Diese negative Konditionierung kann sehr tief gehen und sich auf verschiedenen Wegen äußern.  

Warum denken Menschen, Pferde seien nachtragend?

Wenn sich ein Pferd nach einem unangenehmen Erlebnis nicht verhält wie gewünscht, assoziieren das viele Personen mit dem menschlichen Verhalten.

Das ist normal. Wir übertragen vieles auf Tiere, was in dieser Form nur Menschen empfinden.

Daher fällt oftmals auch der Satz „Das macht er mit Absicht“. Gemeint ist damit, dass ein Pferd den Menschen absichtlich ärgert.

Das trifft bei den Tieren jedoch nicht zu.

Warum erscheinen Pferde nachtragend?

Pferde reagieren zum einen situativ. Das ist wichtig, damit sie in potenziell bedrohlichen Momenten keine Gefahr eingehen.

Wurden sie bereits von einem Menschen schlecht behandelt, kam es zu einem Schreckmoment oder zu Schmerzen, sind sie darauf negativ konditioniert.

Sie werden daher solche oder ähnliche Situationen vermeiden. Das kann sich darin äußern, dass sie:

  • zurückscheuen
  • stehen bleiben und nicht mehr zu bewegen sind
  • bisher gewohnte Handlungen verweigern

Aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts kann das bei Pferden schnell gefährlich werden.

Mach dir dennoch bewusst, dass ein Pferd dies nicht tut, um dich zu ärgern. Die auslösenden Situationen müssen entweder gemieden oder neu und positiv belegt aufgebaut werden.

Das nimmt Zeit in Anspruch und erfordert daher entsprechend viel Geduld. Ein individuelles Vorgehen ist ebenfalls notwendig.

Manche Pferde erholen sich langsamer und benötigen mehr Gelegenheiten, wieder Vertrauen zu fassen. Bei anderen reicht weniger Aufwand.

Wichtig ist in jedem Fall, dass zunächst die Ursache für das ungewöhnliche Verhalten erkannt wird.

Wann ist ein Pferdetrainer sinnvoll?

Wenn du den Eindruck hast, dass dein Pferd sich anders verhält als sonst und dich in bestimmten Situationen „ärgern“ will – solltest du zwei Maßnahmen ergreifen.

Zum einen ist eine Untersuchung durch den Tierarzt sinnvoll.

Schmerzen können nicht nur bei Pferden dazu führen, dass sie eine Verhaltensänderung durchmachen.

Eine umfassende Diagnose bei ansonsten unerklärlichem Scheuen, Aufbäumen oder sonstigen Problemen wie Aggressionen ist immer erforderlich.

Die zugrundeliegenden Ursachen können sich rapide verschlechtern und müssen daher frühzeitig abgeklärt werden. Anderenfalls ist es eventuell zu spät für eine einfache Therapie.

Zum anderen kann ein Pferdetrainer sinnvoll sein. Denn durch das Fachwissen und die veränderte Perspektive wird es möglich, Fehler einfacher zu erkennen.

Die beste Basis dafür, dass dein Pferd sich nie scheinbar „nachtragend“ verhält, besteht aus einer guten Bindung zu dir, einem angepassten Umgang und dem frühzeitigen Feststellen von gesundheitlichen Einschränkungen oder Schmerzen.

Auch Ängste solltest du ernstnehmen und anpasst auf dein Tier damit umgehen. Oftmals hilft es bereits, wenn du weißt, dass es dich nicht ärgern möchte oder sich an dir rächen will.

Der Umgang ist dann deutlich entspannter und du kannst schneller eine Lösung finden.

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