Wie bekomme ich meinen Nymphensittich ruhig? 4 bewährte Tipps und Tricks

Die hochintelligenten Nymphensittiche sind von Natur aus neugierig und bereiten uns damit tagsüber reichlich Freude.

Leider bewirkt ihr aktives Wesen auch, dass sie nicht immer akzeptieren wollen, wann Schluss mit lustig ist. So haben vor allem Sittich-Einsteiger Schwierigkeiten damit, die Racker nach Sonnenuntergang zum Einschlafen zu animieren. Der Grund dafür ist nicht selten in menschlichem Fehlverhalten zu suchen.

Wie zeigen dir in diesem Beitrag auf, warum Nymphensittiche so aktiv sind und geben dir einige Tipps an die Hand, wie du deine Vögel beruhigen kannst.

Los geht’s!

When the sun goes down…

Menschliches Fehlverhalten im Umgang mit Nymphensittichen…

Das beginnt bereits bei falschen Vorstellungen vom Tagesablauf: Die Vögel sind im australischen Outback heimisch und erwachen bei Sonnenaufgang.

Die Morgenstunden werden mit Futtersuche im Freiflug gefüllt.

Im Anschluss erfolgt eine ausgedehnte Mittagsruhe, die bis in die frühen Abendstunden andauern kann.

Damit sind wir an der ersten Fehlerquelle angelangt: Der urbane Lebensraum ist mit zahlreichen Lärmquellen gespickt. Wohnst Du vielleicht direkt an einer Hauptverkehrsader? In Hafennähe entwickelt sich tagsüber eine enorme Schallkulisse. Haben die Nachbarn im Stockwerk über Dir schulpflichtige Kinder, die nachmittags ihrem Bewegungsdrang frönen? Oder ist zurzeit eine Baustelle in der Siedlung?

All das stresst Deine Vögel, da sie Fluchttiere sind. Denn in der Natur gilt: Ständig wechselnde Lichtverhältnisse und Geräuschpegel weisen auf die Anwesenheit von Raubtieren hin. Das führt zur erhöhter Wachsamkeit und lädt keineswegs zum Dösen ein.

Sorge also unbedingt dafür, dass der Schlafplatz im Schatten liegt und schallgedämpft ist.

Abends wird der Schwarm wieder aktiv und dreht noch ein paar Ründchen durchs Territorium. Bei Sonnenuntergang kehrt er zur Hauptfutterstelle zurück.

Nach einer kleinen Stärkung beginnt das charakteristische Schnabelknirschen, was in etwa dem menschlichen Gähn-Reflex entspricht.

Zum Schlafen dreht der Nymphensittich seinen Kopf um 180 Grad und steckt ihn ins Rückengefieder.

Tipp 1: Grundlegendes zum Schlafplatz

Und erneut ist es Deine Aufgabe, für stabile Umweltbedingungen zu sorgen: Im lichtdurchfluteten Wohnzimmer werden die Vögel keine Ruhe finden, wenn Du dort vorm Fernseher entspannen willst.

Die Voliere abzudunkeln, ist dem Fall auch keine Lösung.

Es hat sich bewährt, deinem Nymphensittich ein separates Vogelzimmer einzurichten.

Die optimale Schlaftemperatur für Nymphensittiche liegt bei 18 – 25 °C. Sie mussten sich in der australischen Wüste, indessen auch an andere Gegebenheiten anpassen, sodass sie selbst bei Minusgraden gerne in der Außenvoliere nächtigen. Achte dann aber darauf, dass der Rückzugsraum in der Wohnung immer ausreichend geheizt ist.

Für ein Einzelpärchen muss der Käfig das Mindestmaß von 2x1x1 Meter aufweisen. Zu groß kann er für die agilen und lebensfrohen Ausdauerflieger gar nicht sein.

Die Inneneinrichtung ist so zu gestalten, dass sie das Geäst unter der Baumkrone imitiert. Hierfür sind täglich frische Äste und Zweige mit intakten Blütenständen anzubringen.

Tipp 2: Überschüssige Energie abbauen

Menschen benötigen im Durchschnitt 8, Nymphensittiche hingegen 10 Stunden Schlaf pro Nacht.

Es ist daher keine vielversprechende Idee, die Voliere im Schlafzimmer zu errichten und den Biorhythmus der Vögel durch Deine morgendlichen Aktivitäten dauerhaft zu stören.

Wenn Sie abends nicht zur Ruhe kommen wollen, liegt dies häufig daran, dass Du sie nicht ausreichend beschäftigt hast.

Nymphensittiche legen in freier Wildbahn täglich bis zu 500 km zurück. Daher musst Du dem Vogel mindestens 4 Stunden Ausflug gewähren. Das kann an stürmischen Tagen oder während ausgeprägter Gewitterlagen zum Problem werden.

Jetzt musst Du die Unruhestifter in der Wohnung bespaßen: Leg Plastiklöffel oder Strohhalme im Vogelzimmer aus. Sittiche mögen nämlich transportable Gegenstände, mit denen sie Krach machen können.

Kletterwände sind immer gern gesehen und die obligatorischen Schaukelkonstruktionen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die intelligenten Tiere neigen dazu, Möbel zu demontieren, indem sie Schrauben und Muttern lösen. Also gib ihnen was zum Basteln.

Oder verfeinere das Clickertraining: Nymphensittiche haben ein gutes Langzeitgedächtnis und sind sehr musikalisch. So kannst Du sie mitunter gezielt darauf konditionieren, Deinen Lieblings-Werbejingle oder die Nationalhymne zu pfeifen.

Manche Exemplare transportieren fortwährend Gegenstände von A nach B. Versuch doch mal, ob Du sie dazu bringen kannst, Dir ausgewählte Objekte per Luftfracht anzuliefern.

Tipp 3: So vermeidest Du nächtliche Panikattacken

Nymphensittiche werden nervös, wenn sie in der Außenvoliere den Nachthimmel erblicken können.

In der Natur schlafen sie direkt unter dem Blätterdach, um vor den Blicken kreisender Raubvögel geschützt zu sein. Das Dach der Anlage muss daher lichtundurchlässig gestaltet werden.

Die Hirnaktivität der Vögel steigt im REM-Schlaf an, damit sie bei Angriffen von Raubtieren blitzschnell reagieren können. Deine Lieblinge werden des Nachts daher recht häufig von Geräuschen oder dem Lichtkegel vorbeifahrender Autos aufgeschreckt. Hierbei können sie laut kreischen und wild mit den Flügeln schlagen.

Das Phänomen ist unter dem Namen „Nightfrights“ bekannt.

Sichere Anzeichen dafür sind kleine Blutflecken an der Wand und der Verlust mehrerer Schwungfedern. Sie rühren daher, dass der Sittich seinen Schlafplatz im Dunkeln nicht wiederfindet und in Panik gerät. In diesem Zustand ist er eine Gefahr für sich und seine Kameraden.

Im schlimmsten Falle fliegt er in vollem Tempo gegen die Wand und bricht sich das Genick.

Bring ein Nachtlicht in der Voliere an, um solche Vorfälle auszuschließen.

Die diffuse Beleuchtung handelsüblicher Modelle für Kleinkinder kommt dem natürlichen Mondlicht sehr nahe.

Vom Anbringen hübsch anzuschauender Salzkristalllampen ist abzuraten: Sittiche lecken gerne daran und tragen in der Folge bleibende Schäden an den Nieren sowie der Leber davon.

Tipp 4: Krankheiten erkennen und vorbeugen

Wenn Dein Nymphensittich generell nicht einschläft, ist der Gang zum Arzt dringend erforderlich. Es kann sein, dass er starke Schmerzen infolge fortgeschrittener Arthrose (deformierte Gelenke) erleidet.

Sie wird häufig durch nicht vollständig ausgeheilte Verletzungen bzw. Übergewicht hervorgerufen.

Als Sofortmaßnahme solltest Du dem Sittich besonders dicke Äste oder Brettchen als Sitzgelegenheit besorgen.

Wenn das Tier die Nächte am Boden verbringt, besteht der Verdacht auf Bleivergiftung durchs Knabbern an Gardinenstangen. Der Sittich wird dann von Muskelkrämpfen heimgesucht und erblindet vorübergehend. Wenn Du rechtzeitig zum Arzt gehst, können die Beschwerden durch die Gabe eines Gegenmittels schnell gelindert werden.

Schlaflosigkeit in Kombination mit fortwährendem Putzen und angefressenen Federn deutet auf den Befall mit Federlingen (Parasiten) hin. Das Problem lässt sich mithilfe ökologischer Pflegemittel in den Griff bekommen. Die ebenfalls parasitären Grabmilben verursachen extremen Juckreiz und werden durch Kontaktinsektizide (Spot-Ons) abgetötet.

Wenn sich der Vogel zum Schlafen auf Schaukeln niederlegt und Geschwüre an den Sohlenballen aufweist, leidet er vielleicht unter Vitamin A-Mangel. Die Symptome werden allerdings viel häufiger durch Bewegungsmangel oder das Sitzen auf industriell hergestellten Holzstangen verursacht. In beiden Fällen ist es an Dir, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen, um dauerhafte Haltungsschäden zu vermeiden.

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 1

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Schreibe einen Kommentar