Warum beißen Kaninchen ihren Nachwuchs tot? Erklärung + Gegenmaßnahmen

Leider hat das Bild vom putzigen Kaninchen auch eine erschreckende Schattenseite – speziell der züchterische Bereich ist davon betroffen: Die Rede ist vom sogenannten „Kaninchen-Kannibalismus.“

Das hört sich ziemlich erschreckend an und dürfte für zartbesaitete Gemüter einen sehr unangenehmen Touch haben, doch glücklicherweise geschieht dieser „Mord“ nicht allzu oft.

In diesem Beitrag verraten wir dir:

  • Was genau unter Kaninchen-Kannibalismus zu verstehen ist
  • Was die Ursache dafür ist, warum Kaninchen ihren Nachwuchs töten
  • Was du eventuell dagegen tun kannst, um dieses Szenario zu vermeiden

Was bedeutet eigentlich „Kaninchen-Kannibalismus?“

Bei einigen Tierarten kommt es vor, dass sie unter bestimmten Umständen ihre Jungtiere töten, indem sie diese regelrecht totbeißen. Neben Kaninchen zeigen beispielsweise auch Ratten, Hamster, Hühner und Schweine dieses irritierende Verhalten.

Viele Halter reagieren bestürzt und hilflos in dieser Situation, da sie sich das mörderische Tun ihrer Tiere nicht erklären können. Doch es gibt verschiedene Gründe, die ein Muttertier zu diesem Handeln bewegen.

Die Antwort spannende Antwort kommt gleich…

Zunächst ein Blick auf eine „normale“ Kaninchen-Geburt mit nachfolgender harmonischer Jungenaufzucht.

So läuft eine gewöhnliche Kaninchen-Geburt ab

Frieda, die schwarz-weiß-gefleckte Kaninchendame knabbert genüsslich am duftenden Heu, als Nachtisch lockt frisch gezupfter Löwenzahn, Gurke und ein saftiges Birnenstück.

Heruntergespült wird das leckere Mahl mit Wasser (das beste Getränk für Kaninchen), welchem ein Schuss Möhrensaft beigemischt wurde.

Zufrieden und entspannt legt Frieda sich zum Verdauen in ihre Wohlfühlecke.

Später am Tage trifft Frieda die letzten Vorbereitungen, denn sie spürt instinktiv, dass die Geburt kurz bevorsteht. Sie zupft sich ein paar Haarbüschel aus ihrem Fell und polstert damit das bereits fertige Nest. Dieses befindet sich in ihrem Lieblingshäuschen, worin sie nun verschwindet.

Früh am nächsten Morgen bringt Frieda in Ruhe und ohne Stress innerhalb von 15 Minuten ihre Jungen zur Welt. Die Babys sind nackt, blind und taub, wenn sie geboren werden, also vollkommen hilflos.

Die Mutter leckt sie nun trocken, frisst die Nachgeburt und bedeckt die Kleinen mit Stroh und Fell, denn sie brauchen jetzt Wärme.

Schon bald bedienen sich die Kaninchen-Babys an der überaus nahrhaften Muttermilch. Diese ist so energiereich, dass die Jungen nur 1-2 Mal am Tag gesäugt werden, sich aber trotzdem aufgrund der hohen Nährstoffdichte rasant entwickeln. N

Nach diesem ersten Kraftdrink kuscheln sich Friedas Babys mit prall gefüllten Milchbäuchen an ihre stolze Mama und träumen vom aufregenden zukünftigen Kaninchen-Leben.

Warum tötet eine Kaninchenmutter ihre Jungen?

Aber leider gibt es auch die andere Seite, wo nicht alles so rund läuft und es für die gerade geborenen Jungen tragisch endet: Die Mutter beißt ihr gerade geborenen Jungen tot.

Die Gründe, die eine Kaninchen-Mama zu so einer brutalen Tat treiben, sind unterschiedlich:

#1: Stress

Bei einer trächtigen Häsin, die keine Ruhe findet, dauernd von Kindern „belästigt“ und „zwangsgekuschelt“ wird, keinen Rückzugsort hat oder ständig lautem Trubel ausgesetzt ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen radikalen Handlung fast schon vorprogrammiert. Ein Kaninchen, was dermaßen gestresst ist, fühlt sich nicht in der Lage, Junge zu gebären und aufzuziehen.

#2: Unerfahrenheit

Ist das Weibchen noch sehr jung und handelt es sich noch dazu um ihre erste Trächtigkeit, besteht die Gefahr, dass die Geburt sie überfordert. Das vollkommen verängstigte Tier weiß sich in seiner Panik nicht anders zu helfen und beißt die Babys tot.

Achtung: Manchmal geschieht dies auch unbeabsichtigt beim Fressen der Plazenta. Hier ist es sinnvoll, wenn du ein Auge auf den Geburtsvorgang hast und der jungen Mutter hilfreich zur Seite stehst.

#3: Natürliche Auslese

Ein krankes oder schwaches Kaninchen-Jungtier wird von der Mutter manchmal rigoros „aussortiert“ und kurzerhand getötet.

Ein Verhalten dieser Art ist in freier Natur ganz normal, nur die Stärksten und Größten werden aufgezogen. Mitunter ist dieser Instinkt auch beim domestizierten Kaninchen noch stark ausgeprägt, das ist individuell und rassebedingt verschieden.

#4: Fortpflanzungstrieb

Diesmal ist der Kaninchen-Vater der Täter, denn lässt man diesen mit der frischgebackenen Mutter in einem Gehege, möchte er sie am liebsten sofort wieder decken. Solange sie aber die Jungen aufzieht, ist sie dazu natürlich nicht bereit.

Um das zu ändern, tötet er den jetzigen Nachwuchs, auch wenn es sein eigener ist, um sich weiter fortpflanzen zu können.

#5: Futter- und Wassermangel

Fehlt dem Weibchen gerade in der Tragezeit frisches Wasser und nährstoffreiches Futter, weiß sie instinktiv, dass sie ihren Nachwuchs nicht in ausreichendem Maße versorgen kann.

In dieser Notlage schaltet sich der angeborene Selbsterhaltungstrieb ein und die zusätzlichen kräftezehrenden Esser, die es wahrscheinlich sowieso nicht überlebt hätten, werden eliminiert.

Ersatz-Mütter bei Kaninchen – gibt es das?

Es kommt vor, dass ein Kaninchen seine Babys zwar nicht sofort tot beißt, sie aber nicht annehmen will.

Dies kann im schlimmsten Fall ebenfalls tödlich für die Kleinen enden, da sie sich nicht selbst versorgen können und auf fremde Hilfe angewiesen sind.

In diesem Fall kannst du versuchen, sie einer anderen Häsin „unterzuschieben“. Wenn du Glück hast, funktioniert dieser Trick und dein schnelles Handeln ist von Erfolg gekrönt.

Falls das nicht klappt oder gerade kein anderes Weibchen vorhanden ist, bleibt dir nur die Handaufzucht mit einem Mix aus Katzenmilch und Nährstoff-Präparaten, die du beim Tierarzt bekommst. Das Prozedere rund um das Mischen und Verabreichen der Nährflüssigkeit ist aufwändig und leider auch oft wirkungslos, da eine optimale Zusammensetzung, wie es bei der Muttermilch der Fall ist, nicht erreicht werden kann.

Bewährte Tipps, für eine positive Geburtserfahrung, um die Gefahr des Kannibalismus zu minimieren

Wir haben dir bereits die Gründe dargelegt, die eine Kaninchen-Mutter dazu bringen, ihren Nachwuchs totzubeißen.

Einige dieser Gründe kannst du durch eine artgerecht Haltung frühzeitig eliminieren.

Zum Abschluss möchten wir dir noch einige bewährte Tipps aus der Praxis an die Hand geben:

  1. Die Ernährung spielt für das Muttertier eine essenzielle Rolle. Achte darauf, dass immer genug Heu vorhanden ist und versorge die werdende Mama mit frischem Grünzeug, Kräutern und Sprossen. Das Wasser kannst du mit Extra-Nährstoffen, wie Magnesium und Vitamin C, anreichern. So bleibt sie fit und der Körper wird nicht allzu sehr belastet.
  2. Der Kaninchen-Vater hat während und nach der Geburt nichts im Käfig des Muttertieres verloren. Separiere die beiden für die Zeit der Aufzucht, so kannst du diesen Gefahrenpunkt ebenfalls ganz einfach beseitigen.
  3. Ruhe ist das A und O für eine trächtige Häsin. Rund um das Nest sind Herumlaufen, rege Betriebsamkeit und Lärm absolute No gos! Kaninchen reagieren im Allgemeinen schon empfindlich auf laute Geräusche, bei einem trächtigen Weibchen ist der Stress-Level noch sehr viel schneller überschritten.
  4. Eine sehr nervöse und verhaltensauffällige Häsin solltest du von der Zucht ausschließen und so das Risiko des Totbeißens gar nicht erst aufkommen lassen.

In der Regel sind weibliche Kaninchen gute Mütter, die sorgsam mit ihrem Nachwuchs umgehen.

Für den geringen Prozentsatz unter ihnen, die ihre Jungen töten, existieren immer Gründe, die sie dazu veranlassen. Mit den hier genannten Informationen und Ratschlägen kannst du Kannibalismus aber weitestgehende vermeiden und deiner Kaninchen-Dame eine entspannte Geburt ermöglichen.

Wir wünschen dir viel Glück und viel Spaß mit dem Kaninchen-Nachwuchs!

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