Dein Nymphensittich kann nicht mehr fliegen? Das sind 9 mögliche Gründe

Die fröhlichen und stimmgewaltigen Nymphensittiche erfreuen sich großer Beliebtheit als Haustiere. Die zur Familie der Kakadus zählenden Sittiche, die in ihrer Heimat Australien in großen Schwärmen zusammenleben, lassen es mit ihrem possierlichen Verhalten und ihrer Geselligkeit nie langweilig werden.

In ihrer natürlichen Umgebung legen die Vögel auf der Suche nach Nahrung große Strecken im Flug zurück, daher sollte ihnen auch in „Gefangenschaft“ die Möglichkeit zu ausreichendem Freiflug gegeben werden.

Was aber tun, wenn der Nymphensittich plötzlich nicht mehr fliegen kann oder will?

Mögliche Gründe dafür findest du hier.

#1: Verletzungen und Traumata

Ein Vogel, der bislang viel und gerne geflogen ist und das dann plötzlich nicht mehr will oder kann, sollte immer auf akute Verletzungen hin untersucht werden.

Gerade sehr akrobatische Flieger laufen Gefahr, sich beim Freiflug im Zimmer oder in der Voliere an Möbeln, Ästen oder Gittern zu verletzen. Dabei kann es zu Prellungen, Zerrungen oder schlimmstenfalls auch zu Knochenbrüchen im Bereich der Flügel oder der Schultergelenke kommen.

Ein Nymphensittich, der plötzlich einen Flügel herunterhängen lässt und nicht mehr fliegen will, sollte daher umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden.

Auch Kopfverletzungen oder Traumata an den Beinen können verantwortlich dafür sein, dass der Vogel plötzlich nicht mehr fliegen kann. Außerdem können sich Vögel, die neu zu einer bestehenden Gruppe hinzugefügt werden, bekämpfen und dabei ernsthaft verletzen.

Jede Veränderung des Flugverhaltens sollte daher schnellstmöglich medizinisch abgeklärt werden, um den Vogel entsprechend behandeln zu können.

#2: Krankheiten

Manche Erkrankungen, die bei Papageienvögeln vorkommen, können sich auch auf das Flugverhalten auswirken. Relativ häufig kommen unter anderem Tumorerkrankungen vor. Entwickelt sich der Tumor etwa in der Nähe der Schulter oder unter einem Flügel, kann dies die Flugfähigkeit des Vogels beeinträchtigen.

Manche Tumoren werden auch so groß, dass sie alleine durch ihr Gewicht den Vogel am Fliegen hindern.

Auch Infektionskrankheiten wie die PBFD, eine durch Viren hervorgerufene Schädigung des Federkleides mit großflächigem Gefiederverlust, können dazu führen, dass dein Nymphensittich nicht mehr fliegen kann. Eine andere Viruskrankheit ist die Französische Mauser, bei der den Vögeln ihre langen Federn an Flügeln und Schwanz ausfallen und dann nicht mehr nachwachsen.

Erkrankungen der Atemwege, meist verursacht durch Bakterien oder auch Parasiten, schwächen den Vogel durch die mangelnde Sauerstoffversorgung, und er wird instinktiv das Fliegen und andere Anstrengungen einstellen. Ebenso führen Augenkrankheiten mit einer Einschränkung der Sehkraft oder gar völliger Erblindung dazu, dass ein Vogel schließlich nicht mehr fliegt.

Grundsätzlich wird ein Vogel, dem es nicht gut geht, sein Verhalten ändern. Unabhängig von der primären Ursache sind kranke Vögel weniger aktiv, sitzen oft aufgeplustert an einer Stelle und fliegen nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Einem aufmerksamen Besitzer wird das geänderte Verhalten seines gefiederten Freundes auffallen und er wird ihn schnellstmöglich von einem Tierarzt untersuchen lassen.

#3: Mangelernährung

Falsches oder minderwertiges Futter kann bei deinem Nymphensittich zu einem Nährstoffmangel führen, der sich unter anderem in einer Gefiederwachstumsstörung zeigen kann. Ist das der Fall, muss das Futter gegen ein hochwertiges Sittichfutter ausgetauscht werden – bestenfalls wachsen die Federn dann nach und der Vogel kann wieder normal fliegen.

Vor allem bei Nestlingen führt ein Mangel an Vitamin D und Kalzium dazu, dass sich die Knochen nicht ausreichend verfestigen und sich infolge dessen verbiegen können. Die als Rachitis bekannte Erkrankung führt zu Fehlstellungen vor allem an den Beinen oder auch der Wirbelsäule, so dass die betroffenen Vögel das Fliegen gar nicht erst lernen können. Hier sollte spezielles Aufzuchtfutter für Nymphensittiche verwendet werden.

#4: Angeborene Flugunfähigkeit

In sehr seltenen Fällen kann es sein, dass ein Jungvogel mit einer angeborenen Fehlstellung an Beinen, Flügeln oder Wirbeln aus dem Ei schlüpft und dann lebenslang flugunfähig bleibt. Oft sind diese Vögel nicht überlebensfähig und sterben bereits kurz nach dem Schlupf.

#5: Mangelndes Training

Genau wie bei uns Menschen auch führt ein Bewegungsmangel über längere Zeit beim Vogel dazu, dass sich Muskeln zurückbilden und Sehnen verkürzen können.

Im Käfig gehaltene Vögel, denen nur selten oder gar kein Freiflug gewährt wird, können dann irgendwann nicht mehr richtig fliegen, weil die Flugmuskulatur einfach verkümmert ist. Nur durch eine Änderung der Haltungsbedingungen kann ein betroffener Nymphensittich durch vorsichtiges Aufbautraining seine Muskeln stärken und schließlich das Fliegen wieder lernen.

#6: Übergewicht

Tatsächlich ist Übergewicht ein sehr häufiger Grund dafür, dass Heimvögel ihre Flugfähigkeit verlieren. Falsches Futter, zu energiereiche Beikost in Form von industriell gefertigten Leckerli und Knabberstangen, in Verbindung mit zu wenig Bewegung oder sogar ausschließlicher Käfighaltung führen dazu, dass der Vogel verfettet und schließlich sein eigenes Gewicht kaum noch tragen kann. Nur durch eine grundlegende Änderung der Haltungsbedingungen kann hier Abhilfe geschaffen werden.

#7: Flugangst

Auch wenn es seltsam klingen mag, gibt es tatsächlich ab und zu Vögel, die Angst vor dem Fliegen entwickeln.

Meist liegt dem eine traumatische Erfahrung zugrunde, etwa ein schmerzhafter Unfall oder eine hochgradig angstauslösende Situation während des Freiflugs. Ein besonders sensibler Vogel kann nach einem solchen Negativerlebnis eine psychologische Flugangst entwickeln, die nur mit sehr großem Einfühlungsvermögen durch den Vogelhalter wieder zu beheben ist.

#8: Haltungsfehler

Die Haltung von Vögeln in Gefangenschaft geht zwangsläufig immer mit einer Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit einher, denn in ihrem natürlichen Umfeld fliegen gerade Nymphensittiche täglich weite Strecken auf der Suche nach Futter und Wasser. Um das wenigstens einigermaßen auszugleichen, sollte ein Sittichhalter seinen Vögeln die Möglichkeit geben, sich dennoch ausreichend bewegen zu können. Eine Haltung in großen Freiflugvolieren mit viel Platz für mehrere Flügelschläge ist optimal, alternativ sollte zumindest täglicher Freiflug im Zimmer möglich sein.

Auch die Ausgestaltung der Voliere mit natürlich gewachsenen Ästen als Sitzstangen, zum Fliegen animierende Beschäftigung beispielsweise durch unterschiedliche Futterverstecke oder frei hängende Kletterseile und die Bereitstellung einer ausreichend großen Bademöglichkeit helfen dem Vogel, seine natürlichen Verhaltensweisen auszuleben und so seine Muskeln und Gelenke fit und gesund zu halten.

#9: Altersschwäche

In Gefangenschaft erreichen Nymphensittiche durchaus ein Alter von 15-20 Jahren.

Je älter der Vogel ist, desto mehr schwinden aber auch seine Kräfte und bilden sich Muskulatur und Skelett zurück. Daher wird auch ein sehr alter Sittich seine Flugaktivitäten Schritt für Schritt herunterfahren und schließlich vielleicht sogar ganz einstellen.

Achtung: Flugunfähigkeit sollte einen Tierarztbesuch nach sich ziehen!

Wir haben dir nun einige Gründe vorgestellt, die dafür sorgen, dass dein Nymphensittich nicht mehr fliegen kann oder möchte.

Während einige Ursachen nicht so tragisch sind, können andere ernsthafte Konsequenzen für die Gesundheit deines gefiederten Freunds bedeuten. Aus diesem Grund solltest du immer auf Nummer sicher und den Veterinär deines Vertrauens aufsuchen.

Dein Vogel wird es dir garantiert danken.

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