Sind Kanarienvögel Einzelgänger? Das musst du bei der Haltung beachten

Wie viele Kanarienvögel gehören in den heimischen Käfig – einer, zwei, drei oder noch mehr?

In diesem Beitrag zeigen wir dir auf, wie es um das Sozialverhalten der kleinen Haustiere bestellt ist und worauf du bei der Haltung unbedingt achten solltest, um psychische Schäden von den Tieren abzuwenden.

Auf geht’s!

Sind Kanarienvögel Einzelgänger oder Schwarmtiere?

Kanarienvögel leben von Natur aus in Vogelschwärmen. Es handelt sich bei dieser Vogelart und äußerst soziale Tiere, die definitiv keine Einzelgänger sind.

Wenn du dir Kanarienvögel zulegen möchtest, dann solltest du mindestens zwei Tiere zu dir holen.

Auch in größeren Gruppen fühlen sich die Tiere sehr wohl, allerdings gibt es bei der Gruppenhaltung einiges zu beachten.

Doch dazu später mehr.

Nun widmen wir uns erst einmal dem Sozial- und Kommunikationsverhalten sowie den Grundbedürfnissen der Kanarienvögel.

Allgemeines über das Sozialverhalten von Kanarienvögeln

Die tagaktiven Tiere richten ihre Aktivitätszeit vollkommen nach der Anzahl der Tagesstunden aus. Das bedeutet, dass die Vögel im Sommer länger aktiv sind als im Winter.

Allerdings wird die aktive Phase jeden Tag durch mehrere Ruhephasen unterbrochen. Auch für die ausgiebige Pflege des eigenen Gefieders sowie auch des Gefieders der Artgenossen wird einiges an Zeit aufgewendet.

Obwohl die Kanarienvögel die Gesellschaft ihrer Artgenossen sehr zu schätzen wissen und zu ausgewählten Tieren auch sehr tiefgründige Freundschaften pflegen, so hat jeder Kanarienvogel dennoch seine persönliche Individualdistanz.

Diese Individualdistanz wird in aller Regel auch problemlos von den Artgenossen akzeptiert. Sogar im Schlaf achten die Tiere darauf, immer einen gewissen Abstand einzuhalten.

Wird die Individualdistanz unterschritten, so zeigt der Kanarienvogel dem ‚Eindringling‘ deutlich seine Grenzen auf.

Die Kommunikation findet sowohl auf körpersprachlicher Ebene als auch mittels Gesang und Ruflauten statt. Mit diesen Formen der Kommunikation beschäftigen wir uns nun genauer, damit du im Anschluss in der Lage bist, deine Tiere lesen und verstehen zu können.

Die Tiere lesen zu können bietet dir zum einen den Vorteil, dass du angemessen auf die Tiere reagieren kannst und zum anderen wirst du so ein Gefühl entwickeln können, in welchem Verhältnis deine Tiere untereinander stehen.

Körpersprache

Um die Körpersprache eines Kanarienvogels richtig deuten zu können, ist ein geschulter Blick notwendig. Hier findest du nun drei Beispiele, wie schnell Missverständnisse in Bezug auf die Körpersprache der Vögel aufkommen können.

Beispiel 1

Besonders im Sommer bei heißen Temperaturen wirst du deine Tiere das ein oder andere Mal ‚hecheln‘ sehen.

Bei diesem Hecheln sperrt das Tier seinen Schnabel auf und kühlt sich hierdurch ab.

Andererseits kann das Aufsperren des Schnabels auch eine eindeutige Drohgebärde sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, das Verhalten der Tiere im unmittelbaren Kontext zu betrachten.

Beispiel 2

Eine weitere Möglichkeit, um sich abzukühlen, bietet den Kanarienvögeln das Abspreizen der Flügel vom Körper.

Auch Vögel haben zudem hin und wieder das Bedürfnis, sich ausgiebig zu strecken. Hierfür spreizen die Tiere ebenfalls ihre Flügel vom Körper ab.

Aber Achtung! Auch hier kann es sich um eine Drohgebärde handeln, mithilfe derer dein Kanarienvogel sein Revier anzeigen oder Ressourcen, wie bspw. Nahrung, für sich beanspruchen möchte.

Beispiel 3

Ein wichtiger Punkt: Die Schnabelhygiene.

Ein Kanarienvogel kann sich nicht regelmäßig die Zähne putzen – denn ihm fehlen sowohl die Zahnbürste als auch die nötigen Zähne! 😉

Spaß beiseite…

Auch Kanarienvögel pflegen eine gewisse Schnabelhygiene. Um den Schnabel sauber zu halten, wetzen sie diesen ab und zu an einem Ast oder den Gitterstäben des Vogelkäfigs. Beobachtest du dieses Verhalten nach dem Fressen, während dein Kanarienvogel zufrieden und entspannt wirkt, ist alles paletti.

In einem anderen Kontext jedoch kann das Wetzen des Schnabels auch als Beschwichtigungssignal eingesetzt werden.

  • Ist wenige Augenblicke zuvor etwas Ungewöhnliches passiert?
  • Konntest du einen Streit zwischen deinen Tieren mitansehen oder -hören?
  • Verhält sich ein anderer Vogel gerade auffällig aggressiv?

All diese Dinge können dazu führen, dass dein Tier mit dem Wetzen des Schnabels Ruhe in die Gesamtsituation bringen möchte. Du musst wissen, dass Kanarienvögel sehr stressanfällig und harmoniebedürftig sind.

Beliebte Gründe, um einen Streit anzuzetteln

An und für sich sind Kanarienvögel entspannte und verträgliche Tiere.

Dennoch kann es immer wieder zu kleineren Streitereien kommen. Verhält sich ein Artgenosse also aggressiv oder bringt anderweitig Unruhe in die Gruppe, so werden die anderen Vögel alles daran setzen, das Gleichgewicht innerhalb der Gruppe wiederherzustellen und den Rebellen zu besänftigen.

Häufige Gründe für einen Streit können sein:

1. Nistmaterial

Besonders während der Brutzeit im Frühjahr kommt es häufig zu erhitzten Gemütern.

Der Nestbau spielt während dieser Zeit eine große Rolle, darum solltest du in den Frühlingsmonaten besonders gut darauf achten, dass genügend Nistmaterial für alle da ist.

2. Futterneid

Der Klassiker unter den Gründen, um einen Streit anzuzetteln: Das Futter!

Getreu dem Motto ‚du bist nicht du selbst, wenn du hungrig bist‘ wird auch der ein oder andere tierische Kamerad ziemlich pampig werden, wenn ihm der Magen knurrt. Mehrere kleinere Futterstellen im Käfig verteilt können hier Abhilfe schaffen.

3. Ich war aber zuerst da!

Wir alle kennen dieses Gefühl: Fährst du häufig mit dem Bus oder der Bahn, so wirst du früher oder später deinen Lieblingssitzplatz finden.

Umso enttäuschter bist du, wenn du eines Tages einsteigst und siehst, dass jemand anderes auf ‚deinem‘ Platz sitzt! Wirklich unerhört! So geht es auch deinen Vögeln, denn viele von ihnen haben ihren Lieblingssitzplatz und können es so gar nicht leiden, wenn dieser von einem anderen Kanarienvogel besetzt wird, wenn sie jetzt selbst dort sitzen möchten.

Da kann man schon mal kurz und kräftig schimpfen, um dem anderen zu zeigen, wo sein Platz ist – hier nämlich nicht! 😉

Ruflaute und Gesang

Neben der Kommunikation mittels Körpersprache machen auch die Ruflaute einen wesentlichen Teil der zwischenvöglischen Kommunikation aus.

Ertönt im Frühjahr bereits in den frühen Morgenstunden ein lauter Gesang aus der Richtung des Vogelkäfigs, so handelt es sich hierbei höchstwahrscheinlich um das sog. ‚Balzlied‘.

Dein Kanarienvogel nutzt den Gesang, um sein Revier abzustecken, eine hübsche Dame anzulocken oder einfach als Begleitmusik während des Nestbaus – denn mit Musik arbeitet es sich ja bekanntlich immer leichter.

Funfact: Nur ein Teil des Gesangs ist beim Kanarienvogel angeboren. Ein großer Teil der individuellen Melodie wird jedoch durch das Zuhören bei anderen Kanarienvögeln entwickelt. Es findet sozusagen eine Verfeinerung der eigenen Melodie durch eigens entwickelte Kompositionen statt, die durch die Inspiration bei anderen Artgenossen entsteht.

Neben dem klassischen Gesang gibt es auch noch spezielle Ruflaute. Die häufigsten Töne sind schrille Warn- und Drohtöne, die zum Einsatz kommen, wenn die körperlichen Drohgebärden vom Gegenüber ignoriert werden.

Die Tonlage dieser Laute gehen zwar durch Mark und Bein, sind jedoch ein natürlicher Teil der Kommunikation und kein Grund zur Sorge.

Die ideale Gruppenkonstellation

Wie ein idealer Gruppenaufbau bei Kanarienvögeln aussieht, lässt sich pauschal nicht unbedingt sagen. Allerdings gibt es ein paar Richtlinien, die die Chance auf ein harmonisches Zusammenleben erhöhen.

1. Eine gerade Anzahl an Tieren

Es ist ratsam, immer eine gerade Anzahl an Tieren zu beherbergen.

Andernfalls kann es schnell passieren, dass bspw. bei einer 5-er Gruppe ein Kanarienvogel schnell wortwörtlich zum fünften Rad am Wagen wird, der von der Gruppe ausgegrenzt wird und keine tiefe Freundschaft zu einem Artgenossen aufbauen kann.

2. Achte auf das Geschlecht der Tiere

Möchtest du eine Gruppe von mehr als zwei Tieren halten, so solltest du dir über die Gruppenkonstellation hinsichtlich der Geschlechter Gedanken machen.

Wenn deine Gruppe aus fünf Männchen und nur einem Weibchen besteht, so ist (vor allen Dingen wahrend der Balzzeit) jede Menge Stress zwischen den männlichen Vertretern ihrer Art vorprogrammiert. Es empfiehlt sich daher, die Gruppen aus gleichgeschlechtlichen Tieren zusammenzusetzen.

Achtung: Auch, wenn du eine Gruppe Weibchen und eine Gruppe Männchen in separaten Käfigen im selben Raum unterbringst, führt dies höchstwahrscheinlich zu Streit zwischen den Männern!

Mobbing unter Tieren: Der Außenseiter

Tiere sind die bessern Menschen!

Oder doch nicht?

Hingegen vieler Meinungen in unserer Gesellschaft gibt es auch unter Tieren Verhaltensweisen, die alles andere als ’nett‘ sind. Mobbing bspw. ist nicht nur unter Menschen, sondern auch unter Tieren ein weitverbreitetes Phänomen – so auch unter den Kanarienvögeln.

Hältst du nur zwei oder drei Vögel, so wird dieses Problem vermutlich eher nicht auftreten. In einer größeren Gruppe jedoch gibt es nicht selten einzelne Tiere, die keinen Anschluss finden können und ausgegrenzt werden.

Beobachtest du, dass einer deiner Vögel irgendwie nicht so wirklich in die Gruppe integriert ist?

Wenn dieser Vogel erst neu in die Gruppe hinzukam, so ist dies völlig normal. Es braucht einige Zeit, bis der Vogel in die neue Gruppe integriert wird. Besteht das Problem allerdings schon länger, so solltest du dich dem Tier zuliebe nach einem neuen Zuhause für den Vogel umsehen, damit auch er die Chance auf tiefe Bindungen zu Artgenossen hat – auch zwischen manchen Vögeln hält sich die Sympathie nun einmal in Grenzen. 😉

Fazit: Sind Kanarienvögel denn nun Einzelgänger?

Nein, Kanarienvögel sind keine Einzelgänger.

Die äußerst geselligen und sozialen Tiere verfügen über eine recht komplexe Kommunikation und sind sehr eigen, was ihr Bedürfnis nach Nähe und Distanz angeht.

Eine Gruppenhaltung ist für die Erhaltung der physischen und psychischen Gesundheit der Tiere zwingend erforderlich. Bei größeren Gruppen solltest du auf eine gut durchdachte Gruppenkonstellation achten, um Stress und Streitigkeiten weitestgehend vermeiden zu können.

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