Mein Hund rammelt: die Ursachen und wie man richtig reagiert

Wenn ein Hund rammelt (was man auch aufreiten nennt), kann dieses Verhalten aus mehreren Gründen auftreten. Wir klären heute, welche Ursachen es hat, wenn dein Hund dich oder andere Menschen, andere Hunde oder Gegenstände wie Kissen rammelt. Außerdem geben wir dir Tipps, wie man am besten reagiert, wenn ein Hund dieses Verhalten zeigt.

Warum rammeln Hunde?

Ein Hund kann kurz oder länger aufreiten (also mit den Vorderpfoten hochsteigen), das Gegenüber oder Gegenstände mit den Vorderbeinen regelrecht umklammern oder manchmal auch Rammelbewegungen mit dem Unterkörper machen. Das alles fällt unter die Verhaltensweise, die wir hier in unserem Blogartikel „Rammeln“ nennen.

Hunde rammeln aus unterschiedlichen Gründen. Es ist wichtig zu verstehen, dass das „Aufreiten“ oder „Rammeln“ nicht immer sexuell motiviert ist. Das Rammeln bei Hunden kann sehr verschiedene Ursachen haben:

Hund rammelt anderen Hund
Rammeln bei Hunden ist nicht immer sexuell motiviert, kann es aber sein.

1.     Stress oder Überforderung

Wenn Hunde übermäßig erregt oder gestresst sind, können sie dieses Verhalten als Ventil für ihre überschüssige Energie oder als selbstberuhigende Aktion zeigen. Sie bauen damit also Stress oder überschüssige Energie ab. Es kann vorkommen, dass der Hund dies nicht direkt in der Situation zeigt, sondern erst später. Zum Beispiel wenn abends ein Welpe rammelt, der tagsüber zu viel Aufregendes erlebt hat.

2.     Rammeln als Übersprungshandlung

Eine Übersprungshandlung ist ein Verhaltensmuster, das Tiere, einschließlich Hunde, in Situationen von Konflikt, Stress oder Unsicherheit zeigen. Es handelt sich dabei um eine Art von Verhalten, das scheinbar nicht zur aktuellen Situation passt, als ob das Tier „das Thema wechselt“.

Hunde zeigen Übersprungshandlungen in Situationen, in denen sie sich unsicher sind, wie sie reagieren sollen, beispielsweise bei gemischten Signalen von ihrem Besitzer oder bei Konfrontationen mit anderen Hunden, bei denen sie zwischen Flucht und Kampf unschlüssig sind.

Beispiele für Übersprungshandlungen bei Hunden können das plötzliche Putzen, Gähnen, Schnüffeln und Markieren, sich Kratzen oder Hinlegen, aber eben auch das Aufreiten sein, obwohl keine der Aktionen in dem Moment angemessen erscheint.

3.     Hunde rammeln aus sexuellen Motiven

Natürlich kann das Rammeln auch durch den natürlichen Fortpflanzungstrieb ausgelöst werden, besonders bei nicht kastrierten Hunden. Dabei geht es aber nicht immer um den „Akt an sich“.

Rüden reiten bei läufigen Hündinnen auch auf, um zu testen, ob sie es in dieser Phase ihrer Läufigkeit bereits zulässt. Und selbst eine Hündin rammelt manchmal in Phasen der Läufigkeit andere Hündinnen oder Rüden, was vermutlich eine Mischung aus einer sexuellen Motivation und Stressabbau darstellt.

4.     Rammeln als dominantes Verhalten

In der Hundewelt kann das Rammeln ein Ausdruck der Dominanz oder des Versuchs sein, die soziale Hierarchie zu etablieren oder zu bestätigen. Es ist ein Weg für Hunde, Kontrolle oder Überlegenheit über andere Hunde (oder manchmal Menschen) zu demonstrieren.

Genauso wie das Abschneiden von Wegen („wer bewegt wen?“) oder das Auflegen des Kopfes auf den Rücken des anderen Hundes testen Hunde damit ihre eigenen und die Grenzen des anderen Hundes aus. Da dies zu einer Auseinandersetzung zwischen Hunden führen kann, geben wir dir unten Tipps, wie du reagieren kannst, wenn in Hundebegegnungen ein Hund rammelt.

5.     Rammeln im Spiel

Welpen oder verspielte Hunde zeigen im Spiel mit anderen Hunden oft eine Reihe von Verhaltensweisen, die rein spielerisch gemeint sind. Dazu kann auch ein kurzes Aufreiten gehören. Allerdings musst du hier einige wichtige Punkte beachten, die wir unten für dich zusammengestellt haben. Denn nicht immer ist vermeintliches Spiel auch wirklich nur Spiel.

6.     Erlerntes Verhalten

Hunde lernen schnell. Das macht sie zu so angenehmen Begleitern, die sich perfekt an unser Leben anpassen können. Allerdings lernen sie manchmal auch Dinge, die wir ihnen gar nicht beibringen möchten.

Es kann vorkommen, dass sich durch das Rammeln für den Hund ein Vorteil ergeben hat. Das kann manchmal einfach die Aufmerksamkeit des Menschen sein. Mit der Zeit können sich erlernte Verhaltensweisen festigen.

Dein Hund rammelt? So reagierst du richtig

Im Welpen- und Jugendalter probieren Hunde viel aus. Hier ist es wichtig, unerwünschtes Verhalten (dazu gehört Rammeln so gut wie immer) abzubrechen und dem Hund Alternative zu geben. Ziehe hierzu gerne auch einen Trainer hinzu, wenn du selber nicht sicher bist, welcher der oben genannten Gründe zum Rammeln geführt hat.

Gesundheitliche Ursachen ausschließen
Rammelt ein Hund sehr massiv und häufig, dann kann auch eine Abklärung beim Tierarzt sinnvoll sein, zum Beispiel im Hinblick auf Ursachen wie Schilddrüsenprobleme.

Wenn eine Hündin rammelt oder ein Rüde ständig aufsteigt, sollte man auch im Auge behalten, ob dein Hund damit vielleicht nur ein erlerntes Verhaltensmuster zeigt (hier kann ein Trainer Rat geben).

Dein Hund rammelt dich

Wenn dein Hund dich oder andere Menschen rammelt, sollte das immer sofort abgebrochen werden. Egal welche Ursache dahintersteckt: Es ist kein „nettes“ Verhalten, denn weder bist du ein Ziel der übersprudelnden sexuellen Motivation bei Jungrüden noch der Blitzableiter bei Stress. Zudem soll sich das Verhalten auch nicht festigen.

Im Vordergrund steht jetzt aber immer die Ursachenfindung, bei der ein Trainer helfen kann, der dich bei einem Einzeltermin zu Hause besucht und das Verhalten analysiert.

Welpe rammelt

Bei Welpen steckt oft ein spielerisches Ausprobieren dahinter. Der Welpe „übt“ verschiedenste Verhaltensweisen, zu denen auch Rammeln gehören kann. Hier reicht es meist, das Rammeln freundlich abzubrechen und eine Alternative wie ein Spielzeug anzubieten oder, wenn es in stressigen Situationen auftritt, Ruhe in die Situation zu bringen.

Vielleicht hast du aber auch zu viele und zu aufregende Dinge mit deinem Welpen gemacht. Oft möchte man die wichtige Sozialisierungsphase bei Welpen nicht verpassen. Es ist natürlich wichtig, dass der Welpe Bekanntschaft mit unterschiedlichen Menschen, Hunden und gegebenenfalls anderen Tieren macht. Hierbei steht das Sammeln positiver Erfahrungen im Vordergrund, wobei Qualität wichtiger als Quantität ist.

Ist ein Welpe überdreht, hat Probleme die Beißhemmung richtig umzusetzen oder rammelt dein Welpe öfter, dann kann mehr Ruhe oft Wunder wirken: Statt Leinenspaziergänge auf eine Wiese setzen und den Welpen einfach erkunden lassen, für ausreichend Ruhe und Schlaf sorgen und nach einem Tag mit viel neuem Input immer eine „Chill-Tag“ einlegen.

Rammeln von anderen Hunden im Spiel oder bei Hundebegegnungen

Hier wird es spannend, denn Rammeln sieht man relativ oft bei Hundebegegnungen und viele Hundebesitzer fragen sich, wie man jetzt reagiert.

Unsere Linie ist hier ganz klar: Wir brechen das sofort ab, außer es wird nur kurz und spielerisch zwischen zwei Hunden gezeigt, die sich gut kennen und ungefähr die gleiche Gewichtsklasse haben. Ist eine Hündin läufig, ist ganz normal, dass Rüden (oft auch kastrierte Rüden) aufreiten möchten, aber auch klar, dass man das nicht zulassen sollte.

In allen anderen Situationen kann Rammeln zu einem unschönen Ende, sprich zu aggressiven Auseinandersetzungen, Stress oder Verletzungen führen. Kleine und alte Hunde können durch Rammeln verletzt werden, man denke nur an einen alten Hund, der schon einen Bandscheibenvorfall hatte oder unter Hüftarthrose leidet. Souveräne, selbstbewusste Hunde lassen es sich nicht gefallen, bestiegen zu werden, und wehren sich klar und angemessen. Weniger souveräne Hunde oder aggressivere Hundetypen können aber auf Rammeln auch mit heftigem Einsatz der Zähne reagieren. Ängstliche Hunde verunsichert das Rammeln.

Hier bist du als Besitzer gefragt, deinem Hund zu zeigen, dass auch in Hundebegegnungen gewisse Regeln der Höflichkeit einzuhalten sind, damit der Kontakt weiterläuft. Im Zweifelsfall also: Sobald dein Hund rammeln will (oder gerammelt wird), den Hund abrufen und anleinen, bis wieder Ruhe in die Situation eingekehrt ist.

Rammeln bei Hunden abtrainieren: So funktioniert es

Ist die Ursache bekannt, warum dein Hund rammelt? Dann können folgende Trainingsschritte oft helfen.

  • Training und Erziehung: Konsistentes Training und die Einrichtung klarer Verhaltensregeln können helfen, unerwünschtes Rammeln zu minimieren. Positive Verstärkung, wenn der Hund erwünschtes Verhalten zeigt, ist hierbei der Schlüssel.
  • Umlenkung: Wenn ein Hund anfängt zu rammeln, kann man seine Aufmerksamkeit auf ein Spielzeug oder eine andere Aktivität umlenken, um ihm beizubringen, dass es akzeptablere Wege gibt, seine Energie oder Erregung auszudrücken.
  • Bewegung und Beschäftigung: Ausreichend Bewegung und geistige Stimulation wie Suchspiele können dazu beitragen, überschüssige Energie abzubauen und Stress oder Langeweile, die zu diesem Verhalten führen können, zu verringern.
  • Überforderung erkennen: Rammelt dein Hund abends nach einem stressigen Tag oder in energiegeladenen Situationen? Dann ist es wichtig, für mehr Ruhe zu sorgen. Spaziergänge in ruhiger Umgebung, ausreichend Schlaf und ruhige, konzentrierte Beschäftigungen sind hilfreich.
  • Sozialisierung: Förderung positiver Interaktionen mit anderen Hunden und Menschen kann helfen, soziales Verhalten zu verbessern und Dominanz- oder Erregungsspielchen zu reduzieren. Am besten unter professioneller Anleitung eines guten Trainers, wenn dein Hund hier Defizite hat.
  • Medizinische Lösungen: In einigen Fällen kann die Kastration eines Rüden dazu beitragen, das Rammelverhalten zu reduzieren, wenn es durch einen übersteigerten Sexualtrieb motiviert ist. Allerdings bitte nur in extremen Fällen auf Rat von Trainer und Tierarzt, denn eine Kastration ist ein einschneidender Eingriff, der gut überlegt sein sollte. Besser ist es, wenn junge Rüden lernen, dieses Verhalten zu beherrschen.

Allerdings gibt es hier kein Patentrezept, sprich am besten mit einem Trainer, wenn du dir unsicher bist, ob dieser Weg der richtige für dich und deinen Hund ist.

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